Gärten als Orte des Lernens und der Meditation - Ort der Übermittlung

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Der Garten, die erste Schule und der Ort der Übermittlung

Jardin Majorelle in Marrakesch, Foto: Eberhard Hahne

Die mit Platanen und Olivenbäumen bepflanzten Gärten waren der Weitergabe von Wissen und der Lehre gewidmet. Die Akademie im Nordwesten von Athen ist der vermutete Standort des Grabes von Akademeos. Es ist der Ursprung der berühmten Akademie von Plato. So wurde der philosophische Garten zu einem besonderen Ort der Übermittlung vom Meister an die Schülerschaft. Platons Institution, gegründet im 4. Jahrhundert v. Chr., trug diese Inschrift: "Niemand soll hier eintreten, der nicht Geometer ist". Das bedeutet, dass die Organisation eines jeden Gartens nur Menschen mit Visionen und Perspektiven anvertraut werden kann.

Die Platonische Akademie war die von Platon gegründete antike Philosophenschule in Athen, die älteste und längstlebige Institution dieser Art in Griechenland.

Die Platonische Akademie bot den idealen Rahmen für eine Wissensübermittlung vom Meister zur Schülerschaft. Ein in Pompeji gefundenes römisches Mosaik zeigt den Philosophen umgeben von seinen Schülern unter einem großen Baum im athenischen Garten.

Im Jahr 306 v. Chr. schuf Epikur den Garten des Epikur nördlich von Athen. Diese neue philosophische Schule, die Männern, Frauen und sogar Sklaven offenstand, lehrte die Mittel zur Erreichung der Ataraxia (Geistesfrieden) und sein Konzept des Glücks, das dem Epikureismus angehörte.

Jardin Majorelle in Marrakesch, Foto: Eberhard Hahne

Als Ort der Übermittlung ist der Garten auch ein Ort der Meditation. Alles trägt zur Erweckung der Seele bei. Der eingezäunte Garten, der vor Blicken geschützt ist, schützt den Meditierenden und hüllt ihn in eine tiefe Ruhe, die nur durch das Rauschen des Wassers und den Gesang der Vögel untermalt wird.

Wer das Glück hat, einen Garten zu besitzen oder darin zu arbeiten, weiß, dass er nach jeder Ernte sein Land umpflügen und nach jeder Hitzeperiode seinen Gemüsegarten wässern muss. Der Garten wird nach dem Winter immer wieder neu geboren. Der Gärtner unterwirft sich dem permanenten Rhythmus der Natur. Er weiß, dass Gärtnern bedeutet, sich in den Dienst des Ephemeren zu stellen, das uns in seiner zyklischen Bewegung mit Momenten des Staunens beehrt.

Der Garten ist eine Schule der vergänglichen Schönheit. Der Zyklus der Jahreszeiten lehrt uns, in der Hoffnung zu leben. Der Gärtner ist ein Hoffnungsträger. Er nährt die Menschen und schafft eine Landschaft, die den Geist zur Ruhe bringt und ihn darauf vorbereitet, die Lehre der Schöpfung zu empfangen. Vielleicht ist der Gärtner deshalb in seinem physischen Kontakt mit der Mutter Erde dankbarer und sieht seinen Garten als eine göttliche Gabe. Er weiß den Wert des Geschenks, das ihm gegeben wurde, zu schätzen und tut alles, um es zu erhalten.

Der Garten hilft zu heilen. Deshalb sind Krankenhäuser mit großen Gärten ausgestattet und Sanatorien werden in grünen Landschaften gebaut.

Der Garten heilt den Körper und tut viel für Geist und Seele. Er war immer in der Erfahrung des Hier und Jetzt verwurzelt. Da er aber immer in ständiger Bewegung und in ständiger Verbindung mit dem Kosmos ist, hat er die Fähigkeit, den Menschen immer wieder in die richtige Richtung zu bringen. Und anstatt die Natur zu beherrschen, meditiert der Mensch über sie und betrachtet sie manchmal mit Inbrunst.

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