Das Paradies, in dem ich einst lebte - Woher kommt es, dass man sich - selbst nach längerem Aufenthalt – immer wieder überfordert und so vollkommen fremd fühlt?

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Zum einen liegt es natürlich daran, dass man sich nie vollständig von bestimmten Ideen, Vorstellungen und Gefühlen lösen kann. Zum anderen ist Marokko in seiner ganzen Vielfältigkeit eine wahre Attacke auf europäische Ideale und Vorstellungen. Und, Marokko ist kein einfaches Reiseland. Marokko - das bedeutet Stress, man braucht starke Nerven und jede Menge Geduld.

Natürlich kann man es vermeiden, dem Land zu begegnen: Es ist ganz leicht, in Marokko zu reisen, ohne dabei in Marokko zu sein. Manch ein Reiseveranstalter weiß den Kontakt des Urlaubers mit dem „wirklichen“ Land zu verhindern: Viele Gäste Marokkos können nur erahnen, was sich wirklich in Marokko verbirgt. Man schaut zu statt mitzuerleben. Marokko dient dann als Kulisse, als Theater.

Marokko aber ist mehr, viel, viel mehr als diese Kulisse. Der wirkliche Reichtum Marokkos sind seine Menschen, und wer bereit ist, diese kennen zulernen, wird reich beschenkt werden. Doch dafür braucht es vor allem zwei Dinge: Offenheit und Wissen. Wissen über ihre Lebensweise, über die geschichtlichen, ethnischen, religiösen und kulturellen Hintergründe für ihre Denk- und Verhaltensweisen. Manchmal reicht die Offenheit, doch tiefer eintauchen kann nur, wenn sich auch für Hintergründe interessiert.

Doch wer hierzu bereit ist, wird das finden, was Marokko wirklich ist:

Ein Land voller Zauber und Mystik, voller Gegensätze und Schönheiten. Vor allem aber ist Marokko ein Land, das trotz aller Strapazen denjenigen mit seiner Pracht belohnt, der bereit ist, diese zu suchen. Denn: „... ich würde sagen, dass Marokko einer Zimmerflucht gleicht, deren Türen sich öffnen, wenn man hindurchgeht. Man kommt nur weiter, wenn man das Land immer wieder besucht, sich immer aufs Neue wundert und die Neugier bewahrt, es zu verstehen und sich ihm zu nähern. Jede Tür eröffnet einen anderen Ausblick: auf einen Raum, ein Gesicht, eine Stimme, ein Geheimnis ...“. So jedenfalls sieht es Tahar ben Jelloun, der wohl bekannteste marokkanische Schriftsteller. Wer sich also auf die Reise machen möchte, der öffne Augen und Ohren, befreie sich von Klischees und Vorurteilen und versuche, mit Wissen und Verständnis dem bisweilen „seltsamen“ Marokko zu begegnen.

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