Das Nomadenfestival von Mhamid

Während unseres einjährigen Aufenthaltes in Marokko wurden wir zu begeisterten Festivalbesuchern, lassen sich doch hier Mensch und Kultur hautnah erleben.


So reisten wir im März 2018 nach Mhamid und beobachteten während der Fahrt bereits aus dem Auto die Veränderung der Landschaft: Sand wehte über die Straße, die karge Vegetation wurde noch kahler als bisher. Lediglich in den Oasendörfern wuchsen Palmen -  große weithin sichtbare grüne Bereiche. Leider erreichten wir Freitagabend  Mhamid erst nach der Eröffnungszeremonie des Festivals, aber die Nacht bot bereits reichlich Musikgenuss. Beeindruckend umfangreich gewickelte Turbane waren zu beobachten, Männer standen tanzend vor der Bühne und unterhielten sich, während die einheimischen Frauen im Hintergrund lauschten.

Am nächsten Tag unternahmen wir hinter einem Oasendorf einen ausgedehnten Sandspaziergang und merkten schnell, dass die Kopfbedeckung der Männer nicht nur der Schönheit dient, sondern Schutz vor Sonne und Wind bietet. Aus einem Café heraus - während auf der Bühne der jungen Talente Nachwuchsbands für musikalische Unterhaltung sorgten - ließ sich gut beobachten, wie sich immer mehr Touristen mit Tüchern eindeckten - auch wir gehörten dazu - in die Turban-Wickeltechnik einweisen ließen, Stoffe verglichen, bunte Hemden und Djellabahs trugen, die Masse zog "mit der Mode“ mit! Parallel dazu fanden Aktionen in den aufgestellten Zelten statt, in denen man sich zwanglos traf, Handwerkskunst bestaunte, Essen kostete, im Schatten chillte.

Der letzte Tag bot mehrere highlights. Zum einen spielten zwei Mannschaften neben der Hauptbühne Sandhockey gegeneinander. Die Jungen agierten barfuß mit selbstgeschnittenen Stöcken als Schläger, trugen zur Unterscheidung blaue und weiße Djellabahs und selbstverständlich die obligatorischen Turbane bei 30°C! Begrenzt war das Spielfeld durch im Sand gezogene Linien, ein Schiedsrichter ohne Pfeife begleitete das Spiel. Hart aber fair wurde der Kampf ausgetragen, begeisternd waren Schnelligkeit, Gewandtheit und Reaktionsfähigkeit aller Spieler. Die blaue Mannschaft verließ nach einem Abschiedszeremoniell siegreich das Spielfeld.

Währenddessen fanden bereits die Vorbereitungen für die nächste Show statt: Sandbrot-Wettbacken! In mehreren Sandkuhlen fackelten kleine Holzfeuer, davor hockten Männer mit Schüsseln voller Mehl und Wasserkrügen. Im Hintergrund hatten sich ihre Kamele niedergelassen, auf denen die Männer her geritten waren und beobachteten gelangweilt das Treiben. Die Männer begannen nach einem Startsignal blitzschnell, einen  Brotteig zu kneten. Nach einer kurzen Ruhephase formten sie flache Fladen, die zum Backen auf die mittlerweile entstandene Holzkohle gelegt und oben mit Sand abgedeckt wurden. Nach einer Weile wendeten sie die Fladen vorsichtig, bis sie für gut befunden, vom Sand abgeklopft und stolz hochgezeigt wurden. Sieger waren eigentlich alle, da jedes Brot gelungen war! Nach einem von Trommelklängen begleiteten Gesang bestiegen die Bäcker ihre Kamele und ritten würdevoll mit ihren Broten davon, leider ohne eine Kostprobe für die zahlreichen Zuschauer zurück zu lassen!

Am Abend startete auf der Hauptbühne das große Abschlusskonzert, Zuschauer strömten in großen Mengen herbei und als die algerische Band "Kader Tarhanin" die Bühne betrat, kochte die Masse! Es wurde voller Begeisterung gepfiffen, geklatscht, mit gesungen und getanzt.

Am nächsten Tag gewann die Wüste langsam wieder die Oberhand in Mhamid. Zuschauer und Musiker reisten ab, das Leben schaltete einen Gang zurück und der Wind sorgte für eine recht gleichmäßige Verteilung des nicht gerade wenig vorhandenen Sandes. Ruhe bis zum nächsten Festival!

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Barbara und Andreas Conrad

Als langjährige Marokko-Reisefans bekamen wir endlich im Sommer 2018 die Chance, ein Jahr lang in unserem Traumland bleiben zu können. Unsere Unterkunft in Sidi R‘bat im Massa Nationalpark war fortan Dreh- und Angelpunkt für unzählige Ausflüge in den Süden.

Obwohl wir mit unermesslich vielen Eindrücken, Erlebnissen und Anregungen zurückgekommen sind, wurde schnell klar: wir müssen wieder zurück, um weiter zu recherchieren, zu fotografieren, Schreibanlässe zu sammeln. All unser gesammeltes Wissen wollen wir – wie bisher - bündeln, um mit neuem Wissen weitere Karten zu entwickeln.

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