Inside Marokko. Muriels Reisegeschichten: Casablanca

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Art Deco in Casablanca: Auf den ersten Blick erkennt man die Schönheit der Häuser nicht unbedingt. Man muss schon genauer hinschauen und vor allen Dingen den Kopf in den Nacken legen.

 

 

In #InsideMarokko stelle ich Ihnen unbekannte Orte vor und von bekannten Orten unbekannte Facetten.

Marrakech - Fes - Essaouira. Fast jeder kennt diese Orte. Aber wer hat schon einmal von Oujda, Zagora oder Ouarzazate gehört? Wer kennt Oudaya und weiß, wo der beliebteste Hotspot für Influencer ist?

Casablanca ist nicht wirklich ein Touristenmagnet, kein Wunder! Es ist ein Millionenmoloch, es gibt keine malerische Medina, der Smog ist allgegenwärtig, die Autos sind viel zu viele, ebenso wie die Baustellen und all das, was den eigentlichen Zauber von Marokko ausmacht, wurde in Casa ausgespart. Nein, wirklich: Casa ist eine durch und durch unschöne Stadt - auf den ersten Blick. Die wirklich schönen Ecken entdeckt man erst auf den zweiten Blick - manchmal braucht es dafür auch einen dritten oder vierten. Bei mir war es der fünfte Besuch in Casablanca, der mir die Augen öffnete. Naja, was heißt Augen öffnete. Aber bei meinem fünften Besuch war ich bereit dafür, das Schöne der Stadt zu sehen und zu suchen - und ich wusste auch genau wo. Schließlich hatte ich gerade erst eine Arte Dokumentation über ein Jugendstilgebäude in der Nouvelle Ville [neue Stadt] in Casablanca gesehen. Und auf die Suche nach diesem Haus, dem „Immeuble Assayag“, wollte ich gehen.

Etwas verwittert sah es im Fernsehen aus, aber wie der Beitrag mich lehrte, war es ein tolles Beispiel für die Architektur der 1920er Jahre in Casablanca. Es erinnerte an ein Schiff von außen und symbolisierte die Nähe zum Hafen. Im Stil am Bauhaus orientiert, war es einfach strukturiert und nach außen hin geöffnet. Das war selbst für die damalige Zeit sehr avantgardistisch. Das wollte ich sehen! Nun, um es kurz zu machen: Ich habe das Gebäude nicht gefunden. Allerdings wurde ich durch die Suche in diesem Viertel von Sekunde eins an angefixt von der Architektur der Nouvelle Ville und ich begann, mich mit seiner Geschichte, vor allem aber dem Baustil zu befassen.

Die Nouvelle Ville de Casablanca liegt zwischen der „Place des Nations Unies“ und der „Place Mohammed V“ und zieht sich von dort gen Osten. „Nouvelle Ville“ ist dabei ein irreführender Ausdruck. Denn neu ist hier nichts. Nur neuer als die ältesten Bauten von Casablanca. Aber eigentlich ist die Nouvelle Ville de Casablanca eines der ältesten Viertel der Stadt. Es entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Frankreich hatte Casablanca gerade niedergebombt und man brauchte einen französischen Administrator für ihre Protektoratsmacht, der den Menschen vermitteln sollte, dass Frankreich ihnen eigentlich wohlgesonnen war. Die Wahl fiel auf General Hubert Lyautey, der perfekt dafür geeignet schien. Er liebte Marokko und seine Architektur und gilt auch im Nachhinein als Förderer und Gönner des Landes. 1912 war er nach Marokko gekommen und begann gleich mit seiner Arbeit. Er ließ Städte wiederaufbauen, und zwar neue Städte, neben den alten. Er ließ nicht zu, dass die Medinas verändert wurden - ob zu deren Schutz oder für den Komfort der Franzosen... wer weiß das schon. Doch so entstanden in ganz Marokko außerhalb der Medinamauern sogenannte Nouvelles Villes, Neue Städte, Orte, an denen die Franzosen lebten und arbeiteten.

 

Casablanca war für Lyautey eine der wichtigsten Städte Marokkos
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