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Wenn Casablanca zehn Tage lang zur Weltbühne wird

Robbie Williams, die Scorpions, Charlotte Cardin: Jazzablanca 2026 spielt erstmals in der Liga großer europäischer Festivals. Mit seinem neuen Format rückt Casablanca ins Zentrum eines kulturellen Dreiecks zwischen Europa, Afrika und dem Mittelmeer.

Jazzablanca. Foto: Jazzablanca.com

JazzablancaCasablanca bereitet sich auf einen Sommer vor, der in Erinnerung bleiben dürfte. Was sich im Juli 2026 ankündigt, ist mehr als eine neue Ausgabe von Jazzablanca - es ist ein kultureller Wendepunkt. Zum ersten Mal seit seiner Gründung dehnt das Festival sein Format auf zehn Tage aus. Vom 2. bis 11. Juli verwandelt sich der Anfa Park in ein musikalisches Zentrum, das nicht nur Marokko, sondern den internationalen Festivalkalender herausfordert.

Diese Entscheidung ist kein Detail am Rand. Sie markiert einen bewussten Schritt: Jazzablanca will nicht länger nur ein Highlight des regionalen Sommers sein, sondern sich als fester Halt auf den globalen Tourplänen etablieren - auf Augenhöhe mit großen europäischen Festivals. Vier Konzerte pro Abend, ein durchdachtes Raumkonzept und eine Dramaturgie, die zwischen großen Namen und musikalischer Entdeckung pendelt, verleihen dem Festival eine neue Dimension.

Weltstars, Premieren und Generationen im Dialog

Der Moment, in dem Jazzablanca 2026 endgültig internationales Gewicht bekommt, trägt einen Namen: Robbie Williams. Der britische Superstar gibt in Casablanca sein erstes Konzert in der Region. Allein dieser Auftritt katapultiert das Festival in eine neue Liga. Doch Jazzablanca setzt nicht auf einen einzelnen Effekt. Die Programmierung erzählt eine Geschichte über Generationen hinweg.

Mit den Scorpions, die ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum feiern, zieht Musikgeschichte in den Anfa Park ein. Mika kehrt mit seiner charakteristischen Pop-Eleganz zurück, Juanes bringt lateinamerikanische Energie, während Naïka afro-popkulturelle Brücken schlägt. Ergänzt wird das Programm durch zeitgenössische Stimmen wie Jorja Smith oder Charlotte Cardin, die das Festival für ein jüngeres, internationales Publikum öffnen.

So groß die Namen auch sind - Jazzablanca verliert seine Identität nicht. Wer das Festival wirklich verstehen will, landet früher oder später an der Scène 21. Hier schlägt das Herz der Veranstaltung. Es ist der Ort für musikalisches Risiko, für Jazz in Bewegung, für Grenzgänge zwischen Genres und Kulturen.

2026 verspricht diese Bühne besonders viel: Die britisch-bahrainische Trompeterin Yazz Ahmed verbindet orientalische Klangwelten mit zeitgenössischem Jazz. José James nähert sich dem Soul mit Respekt und Erneuerung, während der franco-marokkanische Trompeter Daoud neue narrative Räume eröffnet. Dazu kommen Künstler wie Fantastic Negrito, deren rohe Energie beweist, dass Innovation und Emotion keine Gegensätze sind. Gerade diese Spannung - zwischen Stadionmomenten und intimen Entdeckungen - erklärt, warum Jazzablanca seit fast zwei Jahrzehnten Bestand hat.

Mehr als ein Festival

Mit seiner Neuausrichtung erzählt Jazzablanca 2026 auch eine Geschichte über Casablanca selbst. Die Stadt zeigt, dass sie nicht nur wirtschaftliches Zentrum, sondern auch kultureller Knotenpunkt Nordafrikas ist. Die logistische Präzision, die internationale Strahlkraft des Line-ups und die wachsende Anziehungskraft auf Besucher aus Europa und Afrika belegen, dass Casablanca heute in der Lage ist, Großereignisse dieser Größenordnung souverän zu tragen.

Zehn Tage Musik bedeuten zudem zehn Tage Leben für Hotels, Restaurants, Kulturorte und den urbanen Raum. Jazzablanca wird damit zu einem kulturellen Ökosystem, das weit über die Bühne hinaus wirkt - und zeigt, dass künstlerischer Anspruch und breite Zugänglichkeit sich nicht ausschließen.

Wer im Juli 2026 nach Casablanca reist, besucht kein gewöhnliches Festival. Er wird Teil eines Moments, in dem eine Stadt, ein Publikum und eine Idee von Musik zusammenfinden - offen, selbstbewusst und international.

Vergleich zu Europas Top-Festivals

Mit seiner Neuausrichtung 2026 bewegt sich Jazzablanca bewusst in die Nähe etablierter europäischer Referenzen - ohne sie zu kopieren. Vielmehr entwickelt das Festival ein eigenes Profil, das zwischen Jazztradition, Popkultur und urbanem Lebensgefühl vermittelt.

Montreux Jazz Festival gilt seit Jahrzehnten als Maßstab für musikalische Exzellenz und kuratierte Vielfalt. Jazzablanca teilt mit Montreux den Anspruch, große internationale Namen mit künstlerischer Qualität zu verbinden. Anders als Montreux, das stark auf Indoor-Spielstätten und Archivwürdigkeit setzt, nutzt Jazzablanca den urbanen Raum Casablancas als offene Bühne und verankert Musik stärker im Stadtleben.

North Sea Jazz in Rotterdam ist Europas größte Jazzplattform und richtet sich primär an ein spezialisiertes, fachkundiges Publikum. Jazzablanca übernimmt von North Sea Jazz die Idee der stilistischen Offenheit, geht jedoch bewusst darüber hinaus, indem es Jazz mit Pop, Soul, Rock und Weltmusik verzahnt. Dadurch erreicht das Festival auch Besucher, die nicht primär aus der Jazzszene stammen.

Primavera Sound in Barcelona steht für zeitgenössische Popkultur, Generationenvielfalt und internationale Strahlkraft. Jazzablanca nähert sich diesem Modell an, indem es globale Pop-Ikonen wie Robbie Williams integriert, ohne seine musikalische Tiefe aufzugeben. Während Primavera stark auf Trends und Indie-Kultur setzt, positioniert sich Jazzablanca als Brücke zwischen musikalischer Geschichte und Gegenwart.

In dieser Kombination entsteht ein Format, das weder reines Jazzfestival noch klassisches Pop-Event ist. Jazzablanca entwickelt sich zu einem hybriden Kulturfestival, das europäische Qualitätsstandards mit afrikanischer Offenheit und mediterraner Urbanität verbindet - und damit eine bislang kaum besetzte Nische im internationalen Festivalkalender einnimmt.