Tattoos, eine symbolische Sprache mit eigenem Vokabular

Tattoos sind zu einer weltweiten Sprache geworden. Sie symbolisieren in gewisser Weise einen Teil unseres kulturellen Erbes. Momo erklärt uns im Folgenden Bedeutung, Symbolik und Ideen, die Tattoos und die Tribal-Muster zum Ausdruck bringen wollen.

 

Tattoos, eine symbolische Sprache mit eigenem Vokabular, Foto zeigt Momo (El Fadli Mohcine): RD-Haarlem Fotografie 77

Bevor wir auf Deine Kunst eingehen, sage uns bitte, wer Momo ist.

Mein Name ist El Fadli Mohcine. Ich bin Tattoo-Künstler. Schon seit meiner Kindheit begeisterten mich die feinen Linien und geometrischen Symmetrien der Tätowierungen meiner Mutter. Sie kommt aus dem berberischen Stamm der Amazigh in Marokko. Dort war es üblich, durch Tätowierungen – ein wichtiger Bestandteil der Kultur - Stammeszugehörigkeit und Heiratsstatus auszudrücken. Ich fand es schön, lebendig und einzigartig und wollte deshalb später auch solche Zeichen auf meinem Körper tragen.

Was kannst du uns über Tattoos erzählen?

Der Begriff Tattoo stammt ursprünglich aus Polynesien und leitet sich aus Tatau, dem polynesischen Wort für Zeichnung, ab. Die Körperkunst des Tätowierens ist aber parallel bei unterschiedlichen Völkern und an verschiedensten Orten der Erde entstanden. Tätowierungen haben schon immer zahlreiche Funktionen und Bedeutungen gehabt. Daher ist jedes Kunstwerk genauso einzigartig wie sein Träger.

Tattoos, eine symbolische Sprache mit eigenem Vokabular, Foto: Aman Manai Durga aus Insel Borneo (links), Momo (rechts)Die Symbolhaftigkeit der Tattoos lässt sich durch die entsprechende Zivilisation, die Kulturen und Stämme definieren. Aber auch durch Verbindungen zu spirituellen Ritualen, Zeremonien, religiösen und mythologischen Dingen.

Nenne uns bitte Beispiele, die bei den Imazighen bzw. Berbern üblich sind.

Tattoos haben bei den Berber-Stämmen, z.B. den Imazighen, eine sehr alte und lange Tradition. In Nordafrika und bei den Tuareg sind sie, insbesondere bei Frauen, sehr weit verbreitet. Hier dienen sie als symbolische Sprache als Kommunikations- wie auch als Schmuckmittel.

Sie vermittelten die Persönlichkeit und Überzeugung des Trägers, wie beispielsweise Zeichen religiöser Zugehörigkeit oder zeigten den Familienstand an. Sie wurden aber auch zur Heilung und Linderung von geistigen oder körperlichen Krankheiten eingesetzt.

Verlief die Tätowierung von der Unterlippe über die Länge des Kinns, zeigte es an, dass die Frau verheiratet ist. Eine Zeichnung zwischen den Augenbrauen bedeutete Verlobung, eine auf der Nase, dass die Frau geschieden ist.

Noch heute haben die traditionellen Tätowierungen in der Kultur der Imazighen-Stämme eine sehr wichtige Bedeutung.

Du bist kein unbekannter professioneller Tätowierer. Wie ist es dazu gekommen?

Tattoos, eine symbolische Sprache mit eigenem Vokabular, Foto: Momo (El Fadli Mohcine)

Fremde Kulturen haben mich schon immer fasziniert, daher habe ich mich intensiv mit verschiedenen Kulturen und dem damit verbundenen kulturellen Erbe der Menschheit beschäftigt. Bei meinen Recherchen bin ich u.a. auf die Maori Kultur gestoßen. Ihre beeindruckenden traditionellen Verzierungen heißen Moko. Später habe ich auf meinen Reisen in verschiedene Länder dieser Welt Kulturen näher und die Menschen persönlich kennengelernt, die mir enorm viel gegeben haben und durch die ich viele Ideen entwickeln konnte, insbesondere die traditionellen polynesischen Tattoos haben mich stark angezogen. Sie ließen mich seitdem nicht los. Insofern war es für mich glasklar, dass ich mich auf die Pazifik-Triangel-Tattoos aus Marquise Hawaii Tahiti spezialisiere.

Welche Menschen oder Dinge haben dich beeindruckt oder beeinflusst?

Tattoos, eine symbolische Sprache mit eigenem Vokabular, Foto: Magnito, Berlin (links), Momo (rechts)

  Das Gespräch erschien erstmals im TIMA-Magazin, im Dezember 2020.
   

Als Kind war ich immer begeistert von Kunst und Malerei. Die Werke von Malern, wie Salvador Dalí, Michelangelo, Leonardo da Vinci fachten meine eigene Kreativität an. Ebenso inspirieren mich verschiedene Architekturstile, die Archäologie, die arabische, andalusische und osmanische Kultur sowie die Kalligrafie – die Kunst des Schönschreibens. Weiterhin sorgt die Lektüre der Philosophie, Psychologie, Psychoanalyse und Religionen für kreative Anregungen.

Zugegeben, die Welt beeindruckt mich - die Menschen, wie sie sind und wie sie leben.

Vielen Dank Momo für das lehrhafte Gespräch

Brahim Oubaha

Brahim Oubaha

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