Reise durch Kulturen und Orte des Sufismus

Unter dem Motto "Wissenschaft und Bewusstsein" findet die diesjährige 15. Ausgabe des Sufi-Festivals in Fes, vom 22. bis 29. Oktober 2022, statt. Sie wird auf allen Ebenen eine Reise durch die verschiedenen Kulturen und wichtigsten Orte des Sufismus aus der ganzen Welt bieten.

Das Sufi-Festivals in Fes findet vom 22. bis 29. Oktober 2022 statt.

Reise durch Kulturen und Orte des Sufismus, Foto: Prof. Dr. Faouzi SkaliDas Sufi-Festival erwartet ca. 200 Künstler aus 15 Ländern, insbesondere solche, die mit der großen Kultur des Sufismus in Verbindung stehen. "Wir glauben, dass es heute eine große Konvergenz zwischen dem spirituellen und dem wissenschaftlichen Ansatz sowie zwischen Glauben und Vernunft gibt", bemerkte Prof. Dr. Faouzi Skali, Präsident des Sufi-Festivals, und fügte hinzu, dass "diese Komplementarität insbesondere für die marokkanische Gesellschaft konstitutiv ist. Sie ist reich an Sufi-Erbe, das eine sehr große Kultur hervorgebracht hat".

In Bezug auf die künstlerische Dimension des Festivals betonte Faouzi Skali, dass große Samaâ[1]-Abende der Bruderschaften auf dem Programm stünden. Darüber hinaus wird der Eröffnungsabend dieser Ausgabe dem Publikum die Möglichkeit geben, indische Musik durch eine originelle Kreation mit dem Titel "Am Zusammenfluss der beiden Ozeane (Au confluent des deux océans)" zu entdecken.

Reise durch Kulturen und Orte des Sufismus, Foto: Sufi-Festival in FesEine besonderheit des Festivals ist die Ausstellung "Die Mäntel der Erwachten (Les manteaux des éveillés), die die zeitgenössische Kunst in den Vordergrund rücken will. Weiter werden Gespräche des Runden Tisches das Erbe des goldenen Zeitalters der Wissenschaft im Islam beleuchten und das wissenschaftliche Erbe besser bekannt machen. "Es geht auch darum, die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Religionen zu hinterfragen, indem herausragende Experten für den Dialog zwischen Wissenschaft und Glauben aus der ganzen Welt eingeladen werden.“

Workshops sollen die Möglichkeit bieten, den Gesang der Kunst des Samaâ oder die Kunst der arabischen Kalligraphie an Orten des Kulturerbes in Fes zu erlernen und zu praktizieren. Darüber hinaus wird das Festival zum ersten Mal das Ensemble der türkischen Musiker und drehenden Derwische aus Konya für ein großes Samaâ mevlevi begrüßen, in Anlehnung an das berühmte Gedicht Rubāʿīyāt vom Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī "Die Atome tanzen (Les atomes dansent)", eine poetische Beschwörung der wissenschaftlichen Konzeption der Atome im XIII. Jahrhundert.

 

Reise durch Kulturen und Orte des Sufismus, Foto: Sufi-Festival in FesWenn der Mensch, dieser Homo sapiens, nur aus Vernunft bestünde, wäre er praktisch mit einer Maschine gleichzusetzen und die Dinge wären, wenn schon nicht einfacher, so doch zumindest vorhersehbarer. Aber der Mensch besteht nicht nur aus Vernunft. Er ist auch ein Wesen der Leidenschaft und, allgemeiner gesagt, ein Wesen des Verlangens.

Die Spiritualität im Allgemeinen und der Sufismus im Besonderen haben sich mit der Realität dieses inneren Lebens befasst, das uns antreibt und uns öfter noch als unsere rationalen Entscheidungen leitet.

Im Sufismus hat sich so eine Wissenschaft der "inneren Zustände" herausgebildet, die nicht nur darauf abzielt, das große Magma der Leidenschaften, das uns bewohnt, zu verstehen, sondern auch darauf, diese Leidenschaften durch die Alchemie eines inneren Weges zu transformieren und sie zu gelebten spirituellen Qualitäten zu machen.

Dies gilt für das Empfinden von Mitgefühl, Demut, die Fähigkeit, zu staunen und sich zu wundern, und vor allem für die höhere Emotion, die auf diesem Weg die Krone aller Werte ist: die spirituelle Liebe. Das Verlangen, das in einem gewissen Grad des Bewusstseins mit bloßer Gier oder Habsucht gleichgesetzt werden kann, kann sich auf diese Weise orientieren und aufsteigen und die verschiedenen Stufen einer grenzenlosen Liebesleidenschaft durchlaufen.

Dieser Höhenflug der Liebe, wie es im Sufismus heißt, wird von jener Erkenntnis des Herzens begleitet, von der Pascal sagte, sie habe ihre eigenen Modalitäten der Intelligenz. Diese Form des Bewusstseins ist weit mehr als ein moralisches Bewusstsein. Sie trägt die Möglichkeit in sich, auf die Wirklichkeit einzuwirken und sie zu verändern.

Prof. Dr. Faouzi Skali

 

 

 

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[1] Samaâ bedeutet "Zuhören" und Dhikr bedeutet "Gedenken". Diese Darbietungen umfassen oft Gesang, das Spielen von Instrumenten, Tanz, das Rezitieren von Gedichten und Gebeten, das Tragen symbolischer Kleidung und andere Rituale. Samaâ ist eine besonders beliebte Form der Anbetung im Sufismus.

[2] aus einzelnen Stoffstücken genähter wollener Mantel

 


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