Marokkos Kultur im September: Kino, Jazz und urbane Musik
Film, Jazz und urbane Musik prägen Marokkos Kultur im September. Während das Land seine internationale Vernetzung im Filmbereich ausbaut, bringen Tanjazz in Tanger und L’Boulevard in Casablanca sehr unterschiedliche musikalische Welten auf die Bühne.
Marokko wird Gründungsmitglied der Alliance Lumière
Beim ersten internationalen Sommet Lumière am 7. September in Saint-Paul-de-Vence (Provence-Alpes-Côte d’Azur) ist Marokko der neu gegründeten Alliance Lumière als Gründungsmitglied beigetreten. Das Königreich wurde durch Abdelaziz El Bouzdaini vom Ministerium für Jugend, Kultur und Kommunikation sowie Reda Benjelloun, Direktor des Centre Cinématographique Marocain (CCM), vertreten.
Die Alliance Lumière soll erstmals öffentliche Institutionen aus Film und audiovisuellen Medien in einem weltweiten Netzwerk zusammenführen. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Initiativen und der Austausch darüber, wie sich die Filmwirtschaft angesichts von Streamingplattformen, künstlicher Intelligenz und veränderten Sehgewohnheiten entwickelt. Rund 200 Vertreter aus mehr als 60 Ländern kamen zum ersten Gipfel zusammen.
Für Marokko bleibt es nicht allein bei der Gründungsmitgliedschaft. Das Land beteiligt sich auch an IRIS, einer internationalen Initiative zur Stärkung unabhängiger Kinos, sowie an einem Pilotprogramm zur Film- und Medienbildung. Damit erhält die internationale Positionierung der marokkanischen Filmwirtschaft eine weitere institutionelle Ebene. Centre Cinématographique Marocain.
Tanger wird wieder zur Jazzbühne
Vom 18. bis 20. September folgt in Tanger die 23. Ausgabe von Tanjazz. Das Festival verteilt sich auf den Palais des Institutions Italiennes und verschiedene Orte in der Stadt. Neben den großen Abendkonzerten gibt es unter dem Titel „Tanjazz en ville“ kostenlose Auftritte, die das Festival aus seinen festen Spielstätten hinaus in Tanger tragen.
Das Programm reicht weit über klassischen Jazz hinaus. Zu den bekanntesten Gästen gehören die amerikanische Sängerin Dee Dee Bridgewater, das mexikanische Gitarrenduo Rodrigo y Gabriela, der spanische Flamenco-Sänger Diego El Cigala und die Buena Vista All Stars aus Kuba. Hinzu kommen Musiker aus Marokko und zahlreichen weiteren Ländern sowie Jam Sessions und eine Masterclass.
Gerade diese Offenheit gehört seit Jahren zum Charakter von Tanjazz. Jazz dient weniger als enge musikalische Grenze denn als Ausgangspunkt für Begegnungen zwischen unterschiedlichen Traditionen. Das passt zu Tanger, einer Stadt, deren kulturelle Geschichte seit langem von Begegnungen zwischen Marokko, Europa, Afrika und dem Atlantik geprägt ist. Tanjazz.
L’Boulevard: die andere Stimme Casablancas
Fast gleichzeitig schlägt Casablanca einen ganz anderen Ton an. Vom 17. bis 20. September findet im R.U.C.-Stadion die 24. Ausgabe von L’Boulevard statt. Der Eintritt ist frei. Rap und Hip-Hop, Rock und Metal, Fusion und andere Formen zeitgenössischer urbaner Musik stehen im Mittelpunkt.
L’Boulevard ist dabei mehr als eine Reihe von Konzerten. Seit seinen Anfängen gehört die Förderung junger marokkanischer Musiker zum Kern des Festivals. Der Wettbewerb „Tremplin“ bietet Nachwuchskünstlern eine Bühne, während etablierte marokkanische und internationale Musiker das Hauptprogramm tragen. Für 2026 gehören unter anderem Dizzy DROS, Bab L’Bluz, Issam Kamal & Mazagan, Rhita Nattah und Sepultura zum Programm.
Daneben gibt es den „Souk“, einen eigenen Bereich für Künstler, Designer, unabhängige Initiativen, Vereine und Kollektive. Mehr als 30 Stände sollen in diesem Jahr zeigen, dass sich die urbane Kulturszene Casablancas nicht allein auf Musik beschränkt.
Gerade darin liegt die Besonderheit von L’Boulevard. Das Festival zeigt eine Seite marokkanischer Kultur, die außerhalb des Landes noch immer weniger wahrgenommen wird als Gnawa, andalusische Musik oder die großen internationalen Festivals: eine junge Szene, die ihre eigenen musikalischen Formen, Sprachen und Ausdrucksweisen entwickelt. L’Boulevard.
