Habiba auf Jamaa El Fna, „Verbotene Einsichten“

Marrakesch Jamma Elfna Abends (Foto: Eberhard Hahne)

 

Habiba auf Jamaa El Fna, „Verbotene Einsichten“ von Seddik Rabbaj (siehe Biographie)

Anmerkung der Redaktion: Der Autor Seddik Rabbaj erzählt die folgende Geschichte aus der Sicht einer 14-Jährigen zu einer Zeit, als Jamaa El Fna überwiegend von Männern besucht wurde. Frauen gingen eher uninteressiert an diesen Menschenansammlungen vorbei. Es ziemte sich nicht für „anständige“ Frauen, Gauklern ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Nach und nach entfernte sich Habiba von ihren Schwestern und Brüdern. Ihre erste Periode hatte auch ihre Einstellungen und Ansichten verändert. Sie spielte nicht mehr gern mit ihren jüngeren Geschwistern und weigerte sich, bei kindlichen Spielen, bei denen es darum ging, andere nachzuahmen, mitzumachen. Sie betrachtete sich bereits als ein großes Mädchen, das eigene Vorstellungen und einen eigenen Stil hatte.

Sie interessierte sich auch nicht mehr für die Älteren; Hadi war kein Bruder mehr für sie, mit dem alles geteilt werden konnte. In Abwesenheit des leiblichen Vaters war sie eine Person geworden, die Respekt verdient. Ihre zwei Jahre ältere Schwester Mina hatte einen anderen Charakter. Sie war darauf vorbereitet, ihre Rolle als perfekte Hausfrau zu spielen. Ihr Vater hatte sie trotz eines brillanten Grundschulabschlusses vom weiteren Schulbesuch ferngehalten, weil die Konturen ihrer Brüste anfingen, hinter ihrem Hemd sichtbar zu werden, sagte er. Sie verließ daher selten das Haus. Ihre Leidenschaft war nun die Küche geworden. Uralte und moderne Rezepte wurden ausprobiert. Sie verbrachte den ganzen Tag damit, Essen zuzubereiten. Hadi beschwerte sich nicht. Er gab immer vor, über den Geschmack erstaunt zu sein.

Seitdem Habibas Körper immer weiblichere Formen annahm, zog sie mehr und mehr Kleidung vor, die ihre Figur besonders hervorhob.

Habiba ging nach der Schule nicht mehr sofort nach Hause und zog es vor, bei ihren Freundinnen zu bleiben, um zu erzählen und zu scherzen oder durch die kleinen Gassen zu schlendern. Jamaâ El Fna übte auf sie eine besondere Anziehungskraft aus. Er war mit keinem anderen Ort in der Stadt vergleichbar; es gab dort unglaubliche Freiheiten, es war, als würden die Menschen verhext, sobald sie dort ihren Fuß hinsetzten.

Sie hörte sich Dinge an, die sie anderswo niemals akzeptiert hätte. Habiba ging gerne von einem Halqa-Kreis zu einem anderen und genoss die Darbietungen der Gaukler und die Geschichten der Märchenerzähler.

 

Sie begann ihre Runde zunächst mit dem Halqa-Kreis Tabib Lhacharat (Doktor der Insekten). Dieser Herr, der wie ein Vagabund aussah, verspottete die marokkanische Gesellschaft. Er griff die Laster von Beamten an, den Betrug von Lehrern, die Heuchelei von Frauen und Männern. Er verspottete faule Studenten und launische Ehemänner. Er hielt einen Spiegel hoch, der die Fehler aller widerspiegelte. Bevor Tabib Lhacharat seinen Auftritt begann, bat er alle Zuschauer, hinter ihm "Wa‘kha", was so viel bedeutet wie "Jawohl" zu sagen, und alle wie im Chor wiederholten "Wa‘kha" mehrmals. Es war ein Vertrag, den er sein Publikum unterschreiben ließ. Er forderte die Menschen um ihn herum auf, all seine Extravaganzen und seine Unhöflichkeit zu akzeptieren ... weil er keine Tabus kannte und offen sprach, sogar über Sex.

Tabib Lhacharat legte seine Hand auf seinen Unterbauch und bat die Zuschauer, das Organ zu benennen. Von der Heiterkeit der Runde unbeeindruckt, antwortete er: "Penis" und fügte dann hinzu: "In anderen Sprachen heißt es der Griff oder die Stange" und er begann eine Liste von Wörtern, die immer obszöner wurden, vorzutragen. Er gab vor, darüber nachzudenken, bevor er seinem Publikum folgende Frage stellte: "Ich weiß nicht, warum Araber es schaffen, alle Teile ihres Körpers mit ihren richtigen Namen zu benennen, außer diesem?" Sie können sicher sagen, Hand, Fuß, Kopf, Nacken, Rücken usw. aber wenn es um dieses Organ geht, das ein wesentlicher Bestandteil ihres Körpers ist, haben sie Schwierigkeiten, reden darum herum, um sich verständlich zu machen. Nach einem Moment, als sich sein Kreis beruhigte, fügte er hinzu: "Doch der Grund ist klar, ein Araber oder allgemein ein Muslim verliert mit der Beschneidung einen Teil seines Gliedes. Wie kann er sagen, dass er kein Problem damit hätte!

Als Habiba zum ersten Mal solche Ungeheuerlichkeiten hörte, schämte sie sich so sehr, dass sie am liebsten im Boden versunken wäre. Sie hatte plötzlich das Gefühl, ihre Beine können sie nicht mehr tragen und dann schoss auch noch das ganze Blut aus ihrem Körper in ihr Gesicht. Der Gedanke, dass sie von allen angestarrt wurde, brachte ihr Herz fast zum Stillstand. Als sie aber endlich wagte, aufzuschauen, bemerkte sie, dass niemand ihr seine Aufmerksamkeit schenkte. Nein, sie lachten und lachten, vermutlich um ebenfalls ihre Scham zu überspielen. Am Jamaa El Fna gibt es scheinbar keine Verbote.

Habiba versuchte mit ihren Freunden den Spitznamen, den sich „Tabib Lhachara“ selbst gegeben hatte, zu ergründen. Nur die Argumentation einer Freundin hatte sie überzeugt. Als „Insekten“ bezeichnete Tabib Lhachara diejenigen, die ihre Pflichten vernachlässigten und die, die für ihre Mitmenschen nichts Sinnvolles taten.

 

Das junge Mädchen ging auch gern zu „Halqa-Kreis Saroukh (die Rakete)“. Dieser Hüne, der über zwei Meter maß, machte sich über alle lustig. Er fürchtete niemanden und kritisierte Entscheidungsträger mit Hinweisen, die das Publikum zum Lachen brachten.

Gaukler wussten immer, wie sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen konnten. Sobald Menschen vorbeischauten, wurden sie durch Fürbitten des Gauklers in das Geschehen eingebunden. Es wurde um Gottes Gnade für all diejenigen gebeten, die den Bedürftigen halfen. Diese sollten mit allen göttlichen Gütern beschenkt werden ... Sie beschworen Gott, die Söhne der Sünde ins Unheil zu stürzen, gerade aber diejenigen, die nur kamen, um sich über das Unglück anderer zu amüsieren. Alle gaben Münzen aus Angst vor Unglück, aber auch, um die Gnade Gottes zu erhalten. Wer weiß, es könnte ja mit der Öffnung der Himmelstore zusammenfallen. Niemand weiß, wann sie öffnen oder wann sie schließen.

Zwei Frauen, die im Kreis standen, streckten die Hände mit ein paar Münzen darin aus. Saroukh nahm die Münzen an und legte sein Ohr am zahnlosen Mund einer der beiden Frauen an. Man sah, dass sie ihm etwas zuflüsterte. Er kehrte in die Mitte des Kreises zurück, um die Bitte der Frau der Runde zu offenbaren: „Diese gute Frau will, dass Gott ihr eine Färse oder eine Kuh gibt. Sagt Ihr Muslime, sagt mir nach: Mein Gott, wir bitten Dich, die Wünsche dieser Frau zu erhören, Amen". Im Chor wiederholten alle den Satz. Er nahm dann von der zweiten Frau die Münzen an, die ihm mit deutlich hörbarer Stimme sagte: "Ich auch, ich will auch eine Kuh haben." Und Saroukh sprach: "Wiederholt Ihr Muslime, eine andere Kuh, mein Gott, für diese arme Frau." Wieder beteten die Anwesenden gemeinsam für die zweite Frau …


Jamaâ El Fana zog Habiba immer mehr an

Jamaâ El Fana zog Habiba immer mehr an. Ein Grund war auch "Mikhy“, denn seine Lieder musste man einfach lieben. Die konnte man nur hier hören, kein Radio sendete sie. Es war eine einzigartige Produktion dieses Künstlers. Sie liebte die Melodie, aber auch die Texte, die locker und freizügig waren. Ein Lied, das sie besonders liebte, war: Wie schön sie ist!“ Dieser Satz wurde als Refrain immer wieder von allen Zuschauern wiederholt. Der Sänger besang alle Mädchen Marokkos und gab ihnen je nach Stadt entsprechende Eigenschaften, manchmal auch unpassende oder gar bizarre Eigenschaften. Um die Frauen aus Marrakesch zu provozieren, beschrieb er sie als unbrauchbar im Bett, was natürlich sofort zu großem Protest unter den Zuschauern führte, die er bereits im nächsten Augenblick beruhigte, mit Erklärungen wie: "Das sollte ein Witz sein, meine Großmutter ist aus Marrakesch. Sie ist Marrakschia und ist, ohne zu übertreiben, die schönste Frau der Welt. Der Beweis ist, dass sie Schönheiten wie mich geboren hat (Mikhy war allerdings so hässlich, dass er leicht mit einem Affen verwechselt werden konnte, daher der Spitzname) und auch dieser Marrakschi und dieser (und zeigte dabei mit dem Finger auf zwei alte Männer im Publikum, deren beste Zeit längst vergangen war). Die Heiterkeit erreichte ihren Höhepunkt, als Mikhy Grimassen zog, wenn er bestimmte Personen erwähnte, um seine Abneigung oder Zuneigung zu demonstrieren. Manchmal sah er so monströs aus, dass diejenigen, die ihn zum ersten Mal sahen, glaubten einen Außerirdischen vor sich zu haben.

 

Wenn Habiba an Jamaa El Fna vorbeiging, schaute sie zu, dass sie sich wenigstens einen Teil der Geschichten anhören konnte, die Jilali, der Märchenerzähler, erzählte. Seine Märchen versetzten sie in eine andere Welt, weit weg von der, in der sie lebte. Sie identifizierte sich mit den Prinzessinnen, denen es an nichts mangelte, stellte sich den Pomp vor, in dem sie lebten, entdeckte ihre Welt ... Sie hörte auch gern die Worte der Liebe, die Jilali im marokkanischen Dialekt hervorhob, selbst wenn es diesen Redewendungen zum Teil an starken Worten der Gefühle mangelte, nicht zuletzt, weil Liebe in verschiedenen Gesellschaftsschichten tabu war und niemand sie zur Schau stellen wollte. Es wurde gar als Schwäche interpretiert, wenn man seinen Eltern oder Freunden seine geheime Liebe verriet. Alles sollte besser im Verborgenen bleiben. Wir können es der geliebten Person sagen, aber bitte, nur unter uns.

Habiba sah gern, wie sich Fremde auf dem Platz küssten und der Welt zeigten, dass sie sich liebten. Sie zeigten ihre Gefühle ohne Scham. Jilali war für sie der erste marokkanische Mann, der dieses Gefühl der Liebe hoffähig machte. Seine Geschichten waren deshalb besonders attraktiv und spannend zu hören. Sie wünschte, sie könnte eines Tages alle seine Geschichten aufschreiben.

 

Das junge Mädchen mochte auch Komödianten ohne Halqa oder Kreis um sie herum, beispielsweise diejenigen, die auf Jamaâ El Fana herumschlenderten und Leute nachahmten und ihre Darbietung nur wenigen Passanten vorführten, die aus Neugier stehen blieben: Flifla „Pfefferlein“ war dafür ein gutes Beispiel. Dieser Mann von gerade mal 1,5 Meter Größe war ein hervorragender Komiker. Einmal blieb Habiba zusammen mit ein paar Leuten stehen, um ihm zuzuhören. Er erzählte eine Geschichte, bei der er vorgab, die Wahrheit zu sagen: „Gestern“, sagte er, „bin ich sehr spät nach Hause gekommen. Ich fand meine Frau vollkommen nackt hinter einem Teetablett sitzend. Sie wartete auf mich. Ich war verwirrt. Ich wusste nicht, was mit ihr geschehen war. Hatte sie den Verstand verloren, dachte ich. Ich versuchte mich zu konzentrieren, um die Situation besser analysieren zu können. Ich sah sie eine Weile an. Eigentlich starrte ich eher auf ihre Falten. Ihre Haut war stellenweise zwei bis mehrfach gefaltet, sie bildete da und dort mehrere Ebenen. Ihre Brüste sahen wie zwei verbrannte Paprikaschoten aus, die leblos auf ihren schlaffen Bauch fielen. … Ja, ja, murmelte ich vor mich hin, das Leben (die Zeit) kann grausam sein! Mir wurde klar, dass ich diesen Körper, dessen Nähe ich vierzig Jahre lang im Dunkeln genossen hatte, nie wirklich wahrnahm.

Was ist los? fragte ich sie.

Nichts, ich trage nur meinen Liebeskaftan.
 
Liebeskaftan?

So ist es! Ich war gestern bei unserer Tochter und habe sie gebeten, mir das Geheimnis ihres Eheglücks zu verraten. Natürlich weißt du über die gute Beziehung zu ihrem Ehemann Bescheid. Nicht wie du, du stöhnst ja nur andauernd. Sie teilte mir mit, dass sie vor der Ankunft ihres Mannes ihren Liebeskaftan anzieht.

Mir verschlug es bei dieser Erklärung die Sprache. Ich sagte nichts, ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste und Fitteste. Gedacht habe ich aber. „Wie wäre es, wenn man den Liebeskaftan glattbügeln könnte?“

 

Habiba blieb einmal im Kreis stehen, der sich um einen alten Mann gebildet hatte, dessen weißer Bart sein Gesicht wie einen Heiligenschein umgab. Er trug eine Woll-Djellaba, die ihn besonders edel aussehen ließ. Er sagte mit einer sehr ernsten Stimme, an Männer adressiert: "Ich habe eine narrensichere Lösung für uns Männer, um Frauen gefügig zu machen. Er schwieg einen Moment, schaute den Zuschauern in die Augen. Die Spannung stieg. Plötzlich sagte er mit deutlicher Stimme: "Ihr habt mich überhaupt nichts gefragt? Etwas verdutzt antworteten die Männer, als würden sie nur deshalb dastehen: "Nein! Aber verrate uns bitte das Geheimnis?“ Er antwortete: "Die Lösung seid Ihr, Ihr allein“. Als hätten alle genau verstanden, was gemeint war, lachten alle …

 

Ein weiterer faszinierter Habiba, nämlich „Moul Lahmam (der Taubenbändiger). Dieser seltsam gekleidete Mann gab seinen Vögeln Befehle, die sie sofort ausführten, wie gehorsame Kinder. Er trug eine Art Patchwork-Djellaba aus verschiedenen bunten Stoffen. Im Kreis seiner Zuschauer bekam man den Eindruck, der Regenbogen stünde mitten auf Jamaâa El Fna. Die Faszination wurde noch größer, wenn er anfing, die Gedichte von Abderrahman El Majdoub  vorzutragen, die er auswendig kannte. Abderrahman El Majdoub war ein großer und populärer Dichter des 16. Jahrhunderts, den alle Marokkaner kennen. Er widmete sich der Kritik an der Gesellschaft und seine Worte sind bis heute präsent. Sobald Moul Lahmam sich in eine Art Trance begab und anfing zu sprechen, hörten die Menschen gespannt und interessiert zu.


Sie hasste auch Schlangenbeschwörer

Jamaa ElFna Schlangenbeschwoerer (Foto: Eberhard hahne)

Habiba hasste bestimmte Gaukler und vermied es, in ihre Nähe zu kommen. Diese waren diejenigen, deren Hauptanliegen es war, so viel Geld wie möglich am Tage zu verdienen. Sie waren keine Künstler. Sie versuchten, ein exotisches, verrücktes, burleskes und groteskes Bild von sich und dem Land zu vermitteln. 

Sie hasste auch Schlangenbeschwörer, deren Reptilien, die - von ihrem Gift befreit- wie leblos auf dem Boden lagen. Sie täuschten damit Mut und Können vor. Sie erzürnten die Schlange mit ihrer lauten Musik von bizarren Instrumenten, bevor sie vorgaben, mit der Schlange zu kämpfen. Dann sah man wie plötzlich die Kobra ihren Kopf hob und bereit war, mit ihren angeblichen Giftzähnen Toxine in die Hand des Darstellers zu bohren … Es fühlte sich an, als würden wir Zeuge eines Selbstmordes werden. Der Schlangenbeschwörer, der wusste, womit er es zu tun hatte, blieb jedoch gelassen. Er neckte das Tier immer mehr, bis es an der Zeit war, es an Hals und Schwanz zu packen und es vor die Zuschauer zu legen. 

Einige Schlangen blieben den ganzen Tag über bewegungslos und zeigten keine Reaktion. Sie wurden wie ein Schal um den Hals von Touristen gewickelt, damit diese Fotos machten konnten, die ihre Furchtlosigkeit demonstrieren sollten. Mancher Zuschauer konnte diese Komödie nicht ertragen und hasste den Moment, in dem die Touristen sich von der Schlange befreien wollten, während der Schlangenbeschwörer sie mit seinem Tier wie am Galgenseil festhielt. Er ließ sie erst los, wenn er einen Geldschein bekam.

Schließlich verabscheute Habiba die Gnaouas, die den Schmerz ihrer Vorfahren zu einem beliebten Schauspiel machten, seitdem ein Professor sie über ihre Geschichte aufgeklärt hatte. Der Professor erklärte ihnen, dass ein saadischer Sultan Menschen aus Guinea nach Marokko gebracht hatte, um das Land zu bearbeiten. Als Sklaven lebten sie in einer Gemeinschaft und versammelten sich während ihrer Ruhezeit, um ihre Leiden zu besingen, was ihren Liedern die Form einer Klage, eines Schmerzenschreis gab. Habiba hasste diese Gnaouas, insbesondere die Weißen unter ihnen, weil sie sehr gut wusste, dass diese keine Nachfahren von Personen aus Guinea waren.

 

Habiba war noch nie mit einem Familienmitglied auf Jamaâ El Fana gewesen. Es kam für ihren Vater nicht in Frage, seine Nachkommen an diesen verderblichen Ort zu führen. Für ihn waren alle, die auf Jamma El Fna ihr Einkommen verdienten Faule, Prostituierte, Perverse und ähnliche Gestalten. Ganz zu schweigen von den Betrügern, die angebliche Wundermittel verkauften. Sie verkauften Salben, den Trank, der dem Mann seine Manneskraft zurückgeben sollte, die magische Tablette, die ihn um zehn Jahre verjüngen sollte, die Pille, die fast alle Krankheiten heilt, das Pulver, das die Zähne in zwei Tagen weiß macht, das Gras, das Körperteile schöner formt, … 

 

Auf Jamaa El Fna gab es viele fiktive Krankheiten, die nur den „Experten“ dort bekannt waren und von denen sie versprachen, die Menschen zu heilen, so zum Beispiel die „Morgens schwer aufstehen können -Krankheit“, verursacht durch „Boujârane Fi Rakba (Kakerlake im Knie)“. Es gäbe ein kakerlakenartiges Tier, das im Körper des Menschen lebte und solche oder ähnliche Krankheiten hervorrief.

 

Hier, auf Jamaa El Fna, flogen die Tauben nicht in den Himmel, um sich jeglicher menschlichen Präsenz zu entziehen, sie blieben bei „Moul Lahmam (dem Taubenmann)“. Die Affen rannten nicht vor Zweibeinern davon, um die Baumwipfel zu erklimmen. Sie schienen eher das Spiel unterhaltsam zu finden; Sie trugen ja auch Hosen und waren an einer Kette angebunden, wie domestizierte Tiere …

 

Siehe auch "Das Projekt Al Halqa" von Thomas Ladenburger zum Thema Jamaa El Fna.

 


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