Maghreb-Katalog, Drucke und Handschriften

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Einleitung
von Rachid Amjahad

Maghreb Literatur. Alte Koranausgabe

Unter dem Begriff Maghreb verstehen wir nicht den gesamten Norden des afrikanischen Kontinents, sondern lediglich die Regionen des Atlasgebirges und den

nordwestlichen Teil der Sahara: Marokko, Algerien, Tunesien im engeren, sowie Libyen und Mauretanien im weiteren Sinn.

Seit der arabischen Eroberung im 7. Jhd. n. Chr. und der damit verbundenen Islamisierung durch die Umayyaden, die vom fernen Damaskus aus regierten, wird die Region als Maghreb, also Westen/Okzident bezeichnet, als Gegenentwurf zum Maschrek, Osten/Orient. Dieser Gebrauch des relativen Begriffs Maghreb für das nordwestliche Nordafrika - Maghreb meint eigentlich jedes Land, das westlich vom eigenen Standpunkt liegt – wurde durch den Geographen Al Idrissi (geboren um 1100 n. Chr.) und den Historiker Ibn Chaldun (geboren um 1332 n. Chr.) bestätigt.

Die arabische Literatur spricht auch von der Dschasirat al Maghreb, der Insel des Okzidents, die im Westen vom atlantischen Ozean, im Norden und Osten vom Mittelmeer und im Süden von der Sahara begrenzt wird. Inselcharakter hat dieses Gebiet nicht nur in geographischer, sondern auch in kultureller und historischer Hinsicht. Zwar ist die Region Teil des arabischen Kulturraumes, bewahrte für sich allerdings eine nicht zu unterschätzende Individualität. Noch heute kann man beobachten, dass Tunesien verhältnismäßig stärker und Marokko schwächer orientalisiert erscheinen.

Ein halbes Jahrtausend lang war der Maghreb Teil des Imperium-Romanum. Es gab eine gut integrierte Schicht die lateinisch sprach, maghrebinische Regimente kämpften im römischen Heer, bedeutende Städte wuchsen auf maghrebinischem Boden und Maghrebiner bestiegen selbst den Thron des Imperiums. Es waren auch maghrebinische Kirchenväter wie der heilige Augustinus oder Tertullian, die den realistisch denkenden Europäern, die noch junge orientalische Religion des Christentums übermittelten. Der Maghreb als Geburtsstätte der Arabellion und des arabischen Frühlings ist durch seine gegenwärtige Situation als Herkunftsregion vieler Flüchtlinge und Hauptroute der Flucht nach Europa erneut in die Schlagzeilen geraten. Dabei ist die relative Unkenntnis über diese Region immer noch vorherrschend.

Der vorliegende Katalog ist ein eigenständiges Werk, das auch mit Exponaten bestückt ist, die thematisch nichts mit dem Maghreb zu tun haben. Diese Offenheit widerspiegelt die offene maghrebinische Gesellschaft, die seit der Antike stets auch selbst Zufluchtsort für viele Verfolgte und Minderheiten war und immer noch ist. ...

 

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