Neue Dynamik zwischen Marokko und der Europäischen Union
Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Marokko erreichen eine neue Intensität. Politische Annäherung, Rekordinvestitionen der Europäischen Investitionsbank und eine vertiefte Zusammenarbeit in Sozial-, Sicherheits- und Energiefragen machen das Königreich zu einem zentralen Partner der EU im südlichen Mittelmeerraum.
Die Beziehungen zwischen Rabat und Brüssel befinden sich in einer Phase bemerkenswerter Stabilität und Dynamik. Dies wurde bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Europäischen Union und der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Rabat deutlich, auf der eine außergewöhnlich positive Bilanz für das Jahr 2025 gezogen und zugleich die Weichen für eine beschleunigte Zusammenarbeit im Jahr 2026 gestellt wurden. Der Zeitpunkt ist symbolisch: Kurz zuvor hatte in Brüssel der Assoziationsrat EU-Marokko getagt - erstmals seit sieben Jahren - und damit ein politisches Signal für die Wiederbelebung der strategischen Partnerschaft gesetzt.
Der EU-Botschafter in Marokko, Dimiter Tzantchev (Bildmitte), sprach von einer Phase „aktiver Entwicklung“ und unterstrich die Rolle Marokkos als bevorzugten Partner der Europäischen Union in ihrer südlichen Nachbarschaft. Diese Einschätzung spiegelt sich nicht nur in wirtschaftlichen Kennzahlen wider, sondern auch in der politischen Abstimmung zwischen beiden Seiten.
Auf diplomatischer Ebene bekräftigte die EU ihre Unterstützung für den unter Führung der Vereinten Nationen geführten politischen Prozess zur Lösung der Sahara-Frage. Sie würdigte dabei ausdrücklich die ernsthaften und glaubwürdigen Bemühungen Marokkos, insbesondere den Autonomieplan als Grundlage für eine dauerhafte Lösung. Darüber hinaus hat sich die Zusammenarbeit deutlich auf sicherheitsrelevante Bereiche ausgeweitet: Stabilität im Sahel, Migrationssteuerung und die Bekämpfung transnationaler Kriminalität stehen heute im Zentrum einer Partnerschaft, die zunehmend als sicherheitspolitischer Pfeiler im westlichen Mittelmeerraum wahrgenommen wird.
Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die soziale Dimension der Beziehungen. Mit der Initiative „Karama“ unterstützt die Europäische Union die tiefgreifende Reform des marokkanischen Sozialschutzsystems. Die europäische Hilfe hat insbesondere zur Digitalisierung der Sozialleistungen und zur Ausweitung der obligatorischen Krankenversicherung (AMO) beigetragen. Bis zum Spätsommer 2025 erhielten bereits mehr als vier Millionen Familien direkte staatliche Unterstützung. Dieser soziale Pfeiler ist integraler Bestandteil des neuen Pakts für den Mittelmeerraum, der die Beziehungen zwischen der EU und ihren Partnern entlang der Achsen Wirtschaft, Sicherheit und gesellschaftlicher Resilienz neu strukturiert.
Auch finanziell markiert 2025 einen Meilenstein. Die Europäische Investitionsbank verzeichnete mit 740 Millionen Euro das höchste jährliche Engagement ihrer Geschichte in Marokko. Insgesamt belaufen sich die Investitionen der EIB seit 1979 auf mehr als zehn Milliarden Euro. Diese Mittel flossen in die Modernisierung der Wasser- und Strominfrastruktur, insbesondere über das nationale Energie- und Wasserversorgungsunternehmen ONEE, sowie in Maßnahmen zur Erdbebenhilfe und zum Wiederaufbau betroffener Regionen.
Für das Jahr 2026 richtet die EIB ihren Fokus auf Zukunftsthemen: digitale Transformation, Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität. Ziel ist es, wirtschaftliches Wachstum mit Beschäftigungseffekten zu verbinden und die Widerstandsfähigkeit Marokkos gegenüber globalen Krisen zu stärken. Damit festigt sich die euro-marokkanische Partnerschaft als langfristiges Projekt gemeinsamer Stabilität und geteilten Wohlstands.