Marokko rückt stärker in den Fokus internationaler Energiefonds
Marokkos Energiewende zieht zunehmend internationales Investitionskapital an. Mit dem Africa Transition Acceleration Fund nimmt ein weiterer auf Afrika ausgerichteter Fonds das Königreich in den Blick. Dahinter steht mehr als die Suche nach geeigneten Solar- oder Windprojekten: Energieversorgung, industrielle Entwicklung und neue Technologien wachsen in Marokko zunehmend zu einem gemeinsamen Investitionsfeld zusammen.

Der von African Infrastructure Investment Managers (AIIM) verwaltete Africa Transition Acceleration Fund, kurz ATAF, ist mit einem Volumen von 200 Millionen US-Dollar ausgestattet und soll in 10 bis 15 Projekte beziehungsweise Unternehmen investieren. Im Mittelpunkt stehen Infrastruktur und Unternehmen für die afrikanische Energiewende: Solar-, Wind-, Wasser- und Geothermiekraft, Stromspeicher und Übertragungsnetze ebenso wie grüner Wasserstoff, Ammoniak, Biokraftstoffe und nachhaltige Verkehrslösungen.
Dass Marokko dabei in den Blick rückt, kommt nicht überraschend. AIIM ist seit rund 25 Jahren auf dem Kontinent tätig und verfügt bereits über Investitionserfahrung in Marokko. Der neue Fonds selbst ist jedoch panafrikanisch angelegt und nicht auf eine feste Gruppe von Ländern beschränkt.
Für Marokko trifft dieses Interesse auf eine Entwicklung, die längst begonnen hat. Wind- und Solarenergie werden ausgebaut, zugleich gewinnen Stromnetze, Speicher und neue industrielle Anwendungen erneuerbarer Energie an Bedeutung. Damit verändert sich auch die Art der benötigten Investitionen: Es geht nicht mehr allein um einzelne Kraftwerke, sondern zunehmend um die Infrastruktur, die verschiedene Teile eines neuen Energiesystems miteinander verbindet.
Genau darauf ist ATAF ausgerichtet. AIIM unterscheidet drei Bereiche: sauberen Strom, sogenannte „clean molecules“ wie grünen Wasserstoff und grünes Ammoniak sowie nachhaltige Mobilität. Der Fonds setzt damit an mehreren Punkten einer Wertschöpfungskette an, die auch für Marokkos weitere industrielle Entwicklung relevant werden können.
Dabei sollte die Nennung Marokkos als Zielmarkt nicht mit einer bereits beschlossenen Investition verwechselt werden. Welche Projekte tatsächlich finanziert werden, hängt von den jeweiligen Vorhaben und deren wirtschaftlicher Entwicklung ab.
Marokko verfügt über Voraussetzungen, die über gute Bedingungen für Wind- und Sonnenenergie hinausgehen. Das Land besitzt eine wachsende industrielle Basis, moderne Hafen- und Verkehrsinfrastruktur und liegt zwischen den Märkten Afrikas und Europas. Energiepolitik wird dadurch zunehmend auch zu Industriepolitik: Neue Erzeugungskapazitäten können dort besonders interessant werden, wo sie mit Produktion, Logistik und künftigen Technologien verbunden sind.
Für internationale Investoren entsteht daraus ein Markt, in dem verschiedene Entwicklungen zusammenlaufen. Für Marokko erweitert privates Kapital die Möglichkeiten, den begonnenen Umbau schneller und auf einer breiteren technologischen Basis voranzutreiben.
Dass ein weiterer afrikanischer Energiefonds Marokko in den Blick nimmt, ist deshalb weniger eine Nachricht über verfügbares Kapital als über die Entwicklung des Standortes selbst. Wo aus Energieprojekten industrielle Strukturen entstehen, wächst auch das Interesse jener, die diese Entwicklung finanzieren wollen.