Grüner Wasserstoff: Marokko baut Energiebrücke nach Europa
Während Europa nach klimafreundlichen Energiequellen sucht, rückt Marokko zunehmend ins Zentrum strategischer Energieplanungen. Mit seinen außergewöhnlichen Solar- und Windressourcen und großen internationalen Investitionen entwickelt sich das Königreich zu einem potenziellen Produzenten von grünem Wasserstoff für den europäischen Markt.

Die Sonne steigt über dem Atlantik auf, während sich entlang der Küste riesige Windturbinen drehen. Weiter südlich glitzern Solarfelder in der Wüste. Was heute noch wie klassische erneuerbare Energie aussieht, könnte schon bald Teil einer völlig neuen Industrie werden. Denn aus dieser Energie soll künftig grüner Wasserstoff entstehen - ein Energieträger, der Europa helfen könnte, seine Industrie klimaneutral zu machen.
Marokko gehört zu den Ländern mit den besten natürlichen Voraussetzungen für diese Technologie. Die Kombination aus intensiver Sonneneinstrahlung, starken Windressourcen und geografischer Nähe zu Europa macht das Königreich zu einem idealen Standort für die Produktion von klimafreundlicher Energie. Mehrere große Projekte zeigen bereits, wie konkret diese Strategie geworden ist.
Ein Beispiel ist das geplante Wasserstoffprojekt an der Atlantikküste nahe Chbika, an dem der Energiekonzern TotalEnergies beteiligt ist. Dort sollen Solar- und Windparks mit einer Leistung von rund 1 Gigawatt Strom erzeugen, der für die Produktion von grünem Wasserstoff genutzt wird. Aus dem Wasserstoff soll anschließend grünes Ammoniak hergestellt werden - ein Energieträger, der sich einfacher transportieren lässt und für internationale Märkte bestimmt ist. Solche Projekte sind Teil eines größeren Plans der marokkanischen Regierung, eine komplette neue Industrie rund um grünen Wasserstoff aufzubauen.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die marokkanische OCP-Gruppe, einer der weltweit größten Produzenten von Phosphat und Düngemitteln. OCP arbeitet daran, seine Produktion schrittweise zu dekarbonisieren. Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie ist die Herstellung von grünem Ammoniak, das künftig aus Wasserstoff hergestellt werden soll, der mit erneuerbarer Energie produziert wird. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten solche Anlagen jährlich große Mengen klimafreundlicher Energieprodukte liefern und gleichzeitig die marokkanische Industrie nachhaltiger machen.
Partnerschaft mit Deutschland und Europa
Deutschland gehört zu den wichtigsten Partnern Marokkos bei dieser Transformation. Beide Länder haben bereits 2020 eine Wasserstoffpartnerschaft geschlossen, um Technologie, Forschung und Pilotprojekte zu entwickeln. Deutsche Institutionen unterstützen unter anderem Studien, Pilotanlagen und industrielle Kooperationen, die den Aufbau dieser neuen Energieindustrie beschleunigen sollen.
Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita betonte die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern: „Deutschland hat eine ganz besondere Stellung für Marokko - als wirtschaftlicher Partner, als Handelspartner, aber auch als politischer Partner.“ Auch aus deutscher Sicht gilt Marokko als vielversprechender Partner für die Energiewende. Die damalige deutsche Entwicklungsministerin Svenja Schulze erklärte dazu: „Marokko verfügt über hervorragende Voraussetzungen für die Energiewende und die Produktion von grünem Wasserstoff.“
Neue Häfen für eine neue Energie
Damit diese Energie künftig exportiert werden kann, baut Marokko auch seine Infrastruktur aus. Große Hafenprojekte wie Nador West Med und Dakhla Atlantique sollen künftig industrielle Zonen und Exportterminals beherbergen, über die Wasserstoff oder daraus gewonnene Produkte wie Ammoniak international transportiert werden können. Diese Projekte zeigen, dass Marokko nicht nur Energie produziert, sondern eine komplette Wertschöpfungskette für Wasserstoff aufbauen will.
Noch steht die Wasserstoffwirtschaft weltweit am Anfang. Doch viele Experten sind überzeugt, dass sie eine entscheidende Rolle in der globalen Energiewende spielen wird. Für Marokko eröffnet diese Entwicklung eine neue wirtschaftliche Perspektive. Das Land könnte sich von einem Energieimporteur zu einem Exporteur klimafreundlicher Energie entwickeln. Gleichzeitig stärkt diese Strategie die Rolle des Königreichs als wirtschaftliche Brücke zwischen Europa und Afrika.
Investitionsprogramme:
Die marokkanische Regierung hat im Rahmen ihrer nationalen Wasserstoffstrategie Investitionsprojekte im Umfang von über 30 Mrd. US-Dollar ausgewählt, die den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft im Königreich vorbereiten sollen.
Industriepartner: Mehrere internationale Energieunternehmen und Investoren arbeiten bereits an konkreten Wasserstoffprojekten in Marokko. Dazu zählen unter anderem der Energiekonzern TotalEnergies sowie der marokkanische Industriekonzern OCP, der Wasserstoff für die Produktion von grünem Ammoniak nutzen will.
Zielmärkte: Die Europäische Union plant im Zuge ihrer Klimastrategie einen umfangreichen Einsatz von Wasserstoff, insbesondere in Industrien mit hohem Energiebedarf wie Stahl, Chemie und Schwertransport.
Potenzial: Internationale Energieanalysen sehen Marokko aufgrund seiner Solar- und Windressourcen sowie seiner geografischen Nähe zu Europa als einen möglichen Lieferanten von grünem Wasserstoff für europäische Märkte.
Quellen:
BMZ, Energy Partnership Morocco-Germany, internationale Energieanalysen.