Von Black Crow bis ORION: Marokko vertieft militärische Zusammenarbeit
Marokkos Streitkräfte trainieren 2026 in ungewöhnlicher Bandbreite mit europäischen und amerikanischen Partnern. Black Crow, ORION, African Lion und Phoenix Express zeigen, wie Luftwaffe und Marine zunehmend in komplexe multinationale Übungen eingebunden werden.

Der jüngste Anlass ist Black Crow in Frankreich, eine Übung unter den Bedingungen elektronischer Kriegsführung. Sie steht am Ende einer Reihe, die vom französischen Großmanöver ORION über die amerikanisch-marokkanische Übung African Lion bis zu Phoenix Express im Mittelmeer und den französisch-marokkanischen Manövern ORYX und CHEBEC reicht.
Dabei geht es zunehmend um mehr als gemeinsame Präsenz und klassische Manöver. Trainiert werden Kommunikation unter Störbedingungen, Luftoperationen, U-Boot-Abwehr, maritime Sicherheit und die Integration in multinationale Verbände. Der militärische Fachbegriff lautet Interoperabilität: Unterschiedliche Streitkräfte müssen miteinander kommunizieren, gemeinsame Verfahren beherrschen und ihre Systeme so koordinieren können, dass sie gemeinsam operieren können.
Marokko ist kein NATO-Mitglied, gehört aber seit 1995 zum Mittelmeerdialog der Allianz. Seit 2004 besitzt das Königreich zudem den amerikanischen Status eines „Major Non-NATO Ally“, eines wichtigen Verbündeten außerhalb der NATO.
Wenn GPS und Kommunikation gestört werden
Black Crow zeigt, wie anspruchsvoll diese Zusammenarbeit inzwischen geworden ist. Frankreich richtet die Übungsreihe seit 2024 aus, um Streitkräfte auf Einsätze in einem umkämpften elektromagnetischen Umfeld vorzubereiten. Dabei werden elektronische Signale gestört oder getäuscht, sodass Kommunikation und Navigation nicht selbstverständlich zur Verfügung stehen.
Für moderne Luftstreitkräfte ist das entscheidend. Kampfflugzeuge, Drohnen und Luftabwehr sind auf Sensoren, Datenverbindungen und Satellitennavigation angewiesen. Bei Black Crow geht es deshalb darum, auch unter gezielten Störungen handlungsfähig zu bleiben.
ORION zeigt die Integration in große Verbände
Bereits Anfang des Jahres schloss sich die marokkanische Fregatte Mohammed VI bei ORION 26 für rund zwei Wochen dem französischen Flugzeugträgerverband um die Charles de Gaulle an. Trainiert wurden unter anderem taktische Seemanöver, Versorgung auf See und U-Boot-Abwehr. Bereits 2025 hatte die Mohammed VI zeitweise mit dem französischen Trägerverband operiert.
ORION war erheblich größer: Frankreich mobilisierte bis zu 12.500 Soldaten, 140 Luftfahrzeuge und 1.200 Drohnen. Das Szenario verband Land-, See- und Luftoperationen mit Cyber-, Weltraum-, Informations- und elektromagnetischer Kriegsführung. Die französisch geführte multinationale Übung war kein NATO-Manöver, bezog jedoch Strukturen der Allianz ein, um die Zusammenarbeit multinationaler Kräfte zu erproben.
African Lion: die Partnerschaft mit den USA
Mit den Vereinigten Staaten übt Marokko seit mehr als zwei Jahrzehnten besonders intensiv. African Lion, die größte jährliche gemeinsame Übung des US Africa Command, fand 2026 vom 20. April bis 8. Mai statt. Gastgeber waren Marokko, Ghana, Senegal und Tunesien. Insgesamt beteiligten sich mehr als 5.600 Soldaten und zivile Kräfte aus über 40 Staaten; allein an den Aktivitäten in Marokko nahmen rund 5.000 Menschen teil.
Neben klassischen Land-, Luft- und Seemanövern rückten neue Technologien stärker in den Mittelpunkt. In Marokko wurden multinationale Ausbildungseinheiten für Drohnen durchgeführt sowie Systeme zur Drohnenabwehr und autonome und ferngesteuerte Technologien erprobt. Im Mai war Marokko außerdem Gastgeber der internationalen Seenotrettungsübung SAREX Détroit 26 im Rahmen der 5+5-Verteidigungsinitiative.
Zusammenarbeit auf See und in der Luft
| Quellen: Französisches Verteidigungs-ministerium * NATO: Mediterranean Dialogue – Marokko * U.S. Africa Command / SETAF-AF * U.S. 6th Fleet: Phoenix Express 2026 | |
Bei Phoenix Express trainierten im September maritime Kräfte aus Nordafrika, Europa und den USA gemeinsam vor Tunesien. Beteiligt waren unter anderem Marokko, Algerien, Ägypten, Frankreich, Italien, die Türkei, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Geübt wurden das Anhalten und Durchsuchen von Schiffen, Seenotrettung, Kampfmittelbeseitigung und die Zusammenarbeit multinationaler Operationszentren. Bemerkenswert war dabei die gemeinsame Formation der marokkanischen Fregatte Mohammed V und der algerischen Erradii. Beide fuhren im selben multinationalen Verband, obwohl Algerien die diplomatischen Beziehungen zu Marokko 2021 abgebrochen hat.
Fast zeitgleich trainierten bei ORYX 26 erstmals vier marokkanische F-16 auf dem französischen Luftwaffenstützpunkt Orange-Caritat gemeinsam mit französischen Rafale. Im westlichen Mittelmeer folgte CHEBEC 26 mit französischen und marokkanischen Marineeinheiten. Parallel beteiligte sich eine marokkanische Einheit am französischen Manöver Gabian.
Die Bandbreite ist das Entscheidende
Die Übungen folgen keinem gemeinsamen militärischen Programm. Sie reichen von bilateraler Zusammenarbeit mit Frankreich über die langjährige Partnerschaft mit den USA bis zu multinationalen Formaten im Mittelmeer.
Auffällig ist 2026 deshalb weniger die Zahl der Manöver als deren Bandbreite. Marokkanische Streitkräfte trainieren mit Partnern in großen Marineverbänden, mit Kampfflugzeugen und Drohnen, bei U-Boot-Abwehr und unter Bedingungen elektronischer Kriegsführung. Aus gemeinsamer Ausbildung wird zunehmend die Fähigkeit, auch komplexe Operationen miteinander durchzuführen.