US-Kongress erkennt Ceuta und Melilla als marokkanisches Territorium an
In einer Entscheidung, die die geopolitische Landkarte des westlichen Mittelmeers grundlegend verändern könnte, hat der US-Kongress Ende April 2026 eine neue Richtung in seiner Nordafrika-Politik eingeschlagen.
Im Rahmen des Haushaltsberichts zum Finanzgesetz 2027 (H.R. 8595) verabschiedete der Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses unter dem Vorsitz von Mario Diaz-Balart eine Vorlage, die weit über rein finanzielle Zusagen hinausgeht. Das Dokument sieht eine massive Unterstützung für das Königreich Marokko vor und bricht gleichzeitig mit der jahrzehntelangen US-Neutralität im Streit um die Enklaven Ceuta und Melilla.
Der US-Kongress hat eine Gesamthilfe in Höhe von 40 Millionen US-Dollar für Marokko freigegeben. Davon sind 20 Millionen Dollar für Programme zur wirtschaftlichen Stabilisierung vorgesehen, die den privaten Sektor stärken und die regionale Entwicklung fördern sollen. Weitere 20 Millionen Dollar entfallen auf das Programm „Foreign Military Financing“ (FMF), welches der Modernisierung der marokkanischen Streitkräfte dient und Marokkos Status als wichtigster Nicht-NATO-Verbündeter der USA in der Region festigt. In der Begründung wird Marokko explizit als „Hauptpfeiler der Stabilität in Nordafrika“ gewürdigt.
Die historische Besonderheit dieses Berichts liegt in der expliziten geografischen Zuordnung der Hilfsmittel. Während Washington in der Vergangenheit darauf bedacht war, den Status quo zwischen Madrid und Rabat nicht direkt zu kommentieren, findet sich im aktuellen Bericht eine unmissverständliche Formulierung.
Der Haushaltsausschuss stellt in seinem Bericht fest, dass die im Gesetz vorgesehenen Mittel auch für Projekte in Gebieten verwendet werden können, die sich unter marokkanischer Souveränität befinden oder von Marokko beansprucht werden. Wörtlich heißt es in dem Dokument, dass sich die Gebiete von „Ceuta und Melilla auf marokkanischem Territorium befinden“. Damit verlässt die US-Legislative den Pfad der diplomatischen Zweideutigkeit. Der Bericht geht jedoch noch einen Schritt weiter und formuliert eine klare Handlungsanweisung an das US-Außenministerium unter Minister Marco Rubio. Der Kongress fordert das Ministerium auf, einen „formellen Dialog zwischen Marokko und Spanien“ zu fördern und zu unterstützen, um die „zukünftige Bestimmung“ dieser Gebiete zu klären.
Geopolitische Einordnung und Folgen
Diese Positionierung des US-Kongresses wird als konsequente Weiterführung der Politik gewertet, die bereits unter der Trump-Administration mit der Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Sahara begann und unter Biden fortgesetzt wurde. Washington signalisiert damit, dass die territoriale Integrität Marokkos ein zentraler Baustein der US-Sicherheitsarchitektur in Nordafrika ist.
Für Spanien stellt diese Entwicklung eine diplomatische Herausforderung dar, da Madrid Ceuta und Melilla als integralen Bestandteil des spanischen Staatsgebiets betrachtet. Der Vorstoß aus Washington rückt die Enklaven nun jedoch auf die internationale Agenda und definiert sie nicht länger als rein interne spanische Angelegenheit, sondern als Gegenstand bilateraler Verhandlungen.
Der US-Kongress hat mit diesem Bericht Fakten geschaffen, die das Gewicht Marokkos auf der Weltbühne massiv stärken. Für Marokko ist dies ein historischer Sieg seiner Diplomatie, der die strategische Allianz mit den USA auf eine neue Stufe hebt.