Russland und Marokko halten bilateralen Handel trotz Sanktionen stabil
Trotz westlicher Sanktionen gegen Russland bleibt der bilaterale Handel zwischen Moskau und Rabat stabil. Der Austausch von Agrarprodukten, Energievorleistungen und Technologie unterstreicht Marokkos pragmatische Außenwirtschaftspolitik und seine Strategie, wirtschaftliche Partnerschaften breit zu diversifizieren - mit Relevanz auch für Europa.
Der bilaterale Handel zwischen Russland und Marokko erreicht weiterhin ein Volumen von rund zwei Milliarden US-Dollar, trotz der seit 2022 bestehenden westlichen Sanktionen gegen Moskau. Dies erklärte der russische Botschafter in Rabat, Wladimir Baibakow, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Novosti anlässlich des russischen Tages der Diplomatie.
Nach Angaben des Botschafters beruht die Stabilität des Handelsvolumens auf einer kontinuierlichen Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen sowie auf einem wachsenden Interesse russischer Unternehmen am marokkanischen Markt. Zu den wichtigsten marokkanischen Exporten nach Russland zählen insbesondere landwirtschaftliche Erzeugnisse, darunter Obst, Meeresfrüchte und Fischprodukte.
Im Gegenzug liefert Russland nach Marokko vor allem landwirtschaftliche Produkte und Vorleistungen, darunter Düngemittel, Futtermittel, aber auch pharmazeutische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen sowie IT- und Technologielösungen. Diese Struktur verweist auf eine funktionale Arbeitsteilung, die auf komplementären Wirtschaftsinteressen basiert.
Technologie, Energie und Landwirtschaft im Fokus
Über den klassischen Warenhandel hinaus besteht laut Baibakow auf marokkanischer Seite ein zunehmendes Interesse an russischen Technologien und Investitionen, insbesondere in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Landwirtschaft. Diese Sektoren gelten als strategisch relevant für Marokkos wirtschaftliche Entwicklung, etwa im Kontext von Ernährungssicherheit, Energieversorgung und industrieller Modernisierung.
Aus europäischer Perspektive ist diese Handelsbeziehung vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie zeigt, dass Marokko seine wirtschaftlichen Partnerschaften weiterhin diversifiziert. Das Königreich verfolgt damit eine pragmatische Außenwirtschaftspolitik, die sich nicht ausschließlich auf traditionelle Partner konzentriert, sondern auf funktionale Kooperationen setzt - insbesondere in Bereichen, die nicht unmittelbar vom Sanktionsregime betroffen sind.
Einordnung
Die Fortführung des Handels zwischen Rabat und Moskau bedeutet keine politische Neuausrichtung, sondern spiegelt vielmehr Marokkos Rolle als wirtschaftlich eigenständiger Akteur wider, der seine Lieferketten absichert und sektorale Interessen wahrt. Für Europa ist dies insofern relevant, als Marokko weiterhin ein stabiler Partner bleibt, zugleich aber nicht exklusiv an einzelne Wirtschaftsblöcke gebunden ist.
Insgesamt zeigt der bilaterale Austausch, dass selbst unter erschwerten geopolitischen Bedingungen ökonomische Korridore bestehen bleiben, wenn sie auf gegenseitigem Bedarf, klar abgegrenzten Sektoren und pragmatischer Kooperation beruhen.