Rede S.M. Mohammed VI. anlässlich des 27. Jahrestages des Thronjubiläums
In seiner Thronrede zum 27. Jahrestag der Thronbesteigung zieht der Monarch Bilanz und setzt Schwerpunkte für Wirtschaft, Industrie, soziale Entwicklung und internationale Zusammenarbeit.
König Mohammed VI. bekräftigt Marokkos Kurs der Stabilität, Entwicklung und Zukunft.
Anlässlich des 27. Jahrestages seiner Thronbesteigung hat König Mohammed VI. in seiner traditionellen Thronrede die Entwicklung Marokkos gewürdigt und zugleich die Leitlinien für den weiteren Weg des Königreichs bekräftigt. Im Mittelpunkt seiner Ansprache standen die politische und institutionelle Stabilität des Landes, die wirtschaftliche Entwicklung, die industrielle Transformation, die Stärkung der nationalen Souveränität sowie die Fortführung sozialer Reformen.
Zu Beginn seiner Rede erinnerte der König daran, dass ihn während seiner Regentschaft weder persönlicher Ruhm noch internationale Anerkennung als Ziel geleitet hätten. Sein Anliegen sei es vielmehr gewesen, seiner Verantwortung gegenüber dem marokkanischen Volk gerecht zu werden und allen Marokkanerinnen und Marokkanern die Voraussetzungen für ein freies und würdiges Leben zu schaffen.
Mit Blick auf die vergangenen 27 Jahre erklärte Mohammed VI., die erzielten Fortschritte seien nicht zufällig entstanden. Sie seien vielmehr das Ergebnis einer klaren strategischen Ausrichtung und einer Regierungsführung, die auf Eigeninitiative, konsequenter Umsetzung, konstruktiver Selbstkritik sowie einer entschlossenen und positiven Orientierung auf die Zukunft beruhe.
Vertrauen und Stabilität als Grundlage der Entwicklung
Der König bezeichnete die gegenwärtige Phase als einen entscheidenden Abschnitt im Entwicklungsprozess Marokkos. In dieser Zeit müsse ein Geist des Vertrauens und des Optimismus gegenüber Stimmen überwiegen, die Resignation und Entmutigung verbreiteten.
Als besonderen Grund für Stolz nannte Mohammed VI. die Sicherheit und Stabilität des Landes sowie die Leistungsfähigkeit der staatlichen Institutionen. Angesichts eines internationalen und regionalen Umfelds, das von zahlreichen Krisen und Spannungen geprägt sei, stelle politische und institutionelle Stabilität einen seltenen und besonders wertvollen Faktor dar. Heute sei sie der entscheidende Baustein der Entwicklung und zugleich das strategische Kapital, auf das Marokko bauen könne.
Der König verwies zudem auf die lange staatliche Tradition des Königreichs. Die Institutionen erfüllten ihre Aufgaben im Geist der Harmonie und der gegenseitigen Ergänzung. Dies ermögliche es Marokko, seine Entwicklungsprojekte fortzuführen und Herausforderungen auch unter schwierigen Bedingungen zu bewältigen. Als Beispiele nannte er die erfolgreiche Organisation kontinentaler und internationaler Veranstaltungen sowie das vorausschauende Krisenmanagement bei den Überschwemmungen im Gharb und im Norden des Landes.
Wirtschaftswachstum und industrielle Entwicklung
Nach den Worten des Königs entwickeln sich zahlreiche Wirtschaftsbereiche positiv. Für das Jahr 2025 bezifferte er das Wirtschaftswachstum auf rund 4,9 Prozent. Für 2026 werde ein vergleichbares oder höheres Wachstum erwartet. Auch die guten Niederschläge und eine erfolgreiche landwirtschaftliche Saison hätten zur Stärkung der Wasser- und Ernährungssicherheit beigetragen. Gleichzeitig habe Marokko seine Stellung als attraktiver Standort für industrielle, touristische und finanzielle Investitionen weiter gefestigt.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Mohammed VI. der industriellen Entwicklung. Die Automobil-, Luftfahrt-, Erneuerbare-Energien- und Lebensmittelindustrie bezeichnete er als tragende Säulen des nationalen Produktionsgefüges. Diese Branchen zögen Investitionen an und schafften Wohlstand sowie Arbeitsplätze.
Der König hob hervor, dass Marokko inzwischen der größte Automobilexporteur Afrikas sei und über eine jährliche Produktionskapazität von rund einer Million Fahrzeugen verfüge. Die Automobil- und Luftfahrtindustrie machten heute mehr als 40 Prozent der gesamten marokkanischen Exporte aus und lägen damit vor dem Phosphatsektor. Zudem erinnerte er an die Inbetriebnahme neuer Industrieanlagen zu Beginn des Jahres, durch die Marokko zu den Ländern mit bedeutenden Produktionszentren für Flugzeugtriebwerke und Fahrwerkssysteme gehöre. Auch der Aufbau einer integrierten Batterieindustrie verdeutliche die Fähigkeit des Landes, technologische Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen und sich in strategische industrielle Wertschöpfungsketten einzubinden.
Erneuerbare Energien und strategische Eigenständigkeit
Ein weiterer Schwerpunkt der Rede galt der Energiepolitik. Mohammed VI. verwies auf laufende Großprojekte, mit denen erneuerbare Energien zu einer tragenden Säule der Energiesicherheit sowie zu einem Standortvorteil für Industrien werden sollen, die auf wettbewerbsfähige und CO₂-arme Energie angewiesen sind. In diesem Zusammenhang erinnerte er auch an den Beginn der Umsetzung des Programms „Offre Maroc Hydrogène Vert“, für das bereits erste Großprojekte genehmigt wurden.
Vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen erklärte der König, Marokko habe die Stärkung der nationalen Souveränität und der strategischen Eigenständigkeit zu einem Schwerpunkt seiner Industriepolitik gemacht. Als Beispiele nannte er die Lebensmittel- und Pharmaindustrie, die inzwischen nahezu 80 Prozent des nationalen Bedarfs deckten. Darüber hinaus kündigte er den schrittweisen Aufbau einer industriellen und technologischen Basis in den Bereichen Verteidigung und Cybersicherheit an.
Tourismus, soziale Entwicklung und Finanzierung
Der König verwies darauf, dass Marokko im Jahr 2025 mit nahezu 20 Millionen Besucherinnen und Besuchern, darunter zahlreiche im Ausland lebende Marokkaner, einen historischen Höchststand im Tourismus erreicht habe. Parallel dazu werde der Ausbau der Programme zur menschlichen Entwicklung fortgesetzt. Dazu gehörten insbesondere die schrittweise Verallgemeinerung des Sozialschutzes sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen und zur Förderung der sozialen und territorialen Gerechtigkeit. Gleichzeitig bekräftigte Mohammed VI. die Bedeutung integrierter Entwicklungsprogramme, die sämtliche Regionen des Landes einbeziehen sollen.
Mit Blick auf die Finanzierung des weiteren Entwicklungsprozesses rief der König den nationalen Finanzsektor dazu auf, Investitionen, Großprojekte sowie kleine und mittlere Unternehmen stärker zu begleiten. Ebenso sprach er sich für eine bessere Mobilisierung nationaler Ersparnisse sowie für die Weiterentwicklung der Finanzmärkte aus.
Internationale Partnerschaften und langfristige Entwicklung
Mohammed VI. erklärte, Marokko habe seine Stellung als glaubwürdiger, respektierter und verlässlicher internationaler Akteur weiter gefestigt. Das Königreich sei heute ein bedeutender wirtschaftlicher Partner und beteilige sich an neuen, ausgewogenen und zukunftsorientierten Kooperationen. Zugleich bekräftigte der König den Willen, die internationalen Partnerschaften des Landes weiter zu diversifizieren und ihre Reichweite auszubauen.
Mit Blick auf die kommenden Parlamentswahlen betonte Mohammed VI., dass die wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte des Landes über einzelne Regierungs- und Legislaturperioden hinausreichten. Sie seien das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung auf der Grundlage der strategischen Ausrichtung und grundlegender Entscheidungen des Königreichs. Nach der Bildung einer neuen Regierung solle ein weiterer Entwicklungsabschnitt beginnen, der auf der Sicherung der erreichten Fortschritte sowie der Fortführung großer Reformen und Projekte aufbaue.
Zum Abschluss seiner Ansprache würdigte der König die Königlichen Streitkräfte, die Gendarmerie Royale, die Territorialverwaltung, die Nationale Sicherheit, die Hilfskräfte und den Zivilschutz für ihren Einsatz zum Schutz der Einheit, der Sicherheit und der Stabilität Marokkos. Zudem gedachte er der verstorbenen Könige Mohammed V. und Hassan II.