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Marokko, USA und Israel: Vom Abkommen zur Partnerschaft

Als Marokko, die Vereinigten Staaten und Israel im Dezember 2020 ihre gemeinsame Erklärung unterzeichneten, wirkte vieles zunächst wie ein politischer Tausch von großer Symbolkraft. Rabat nahm die offiziellen Beziehungen zu Israel wieder auf, Washington erkannte die marokkanische Souveränität über die Westsahara an.

Marokko zwischen Atlantik, Europa und Nahost. Foto mot Hilfe von ChatGPT zusammengestellt

Doch die Vereinbarung blieb nicht auf diesen Moment beschränkt. In den folgenden Jahren entstanden daraus wirtschaftliche, sicherheitspolitische und technologische Verbindungen, die 2026 zunehmend zu einem gemeinsamen strategischen Rahmen zusammenwachsen.

Genau das wurde am 16. September in New York sichtbar. Dort trafen Außenminister Nasser Bourita, sein israelischer Amtskollege Gideon Sa'ar und der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz zusammen. Das Treffen knüpfte ausdrücklich an die Erklärung von 2020 an, ging aber weit über deren ursprüngliche politische Botschaft hinaus. Marokko und Israel wollen ihre Verbindungsbüros zu Botschaften aufwerten, Botschafter austauschen und die direkten Flugverbindungen wieder ausbauen. Hinzu kommen Abkommen über Investitionsschutz und Doppelbesteuerung sowie eine breitere Zusammenarbeit bei Handel, Technologie, Innovation, Wasser, Landwirtschaft, Energie, Telekommunikation und Sicherheit.

Beide Staaten haben ihre Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren bereits bei Verteidigung, Nachrichtendiensten, Landwirtschaft, Wassertechnologie, Cybersicherheit und Forschung ausgebaut, während Washington weiterhin einen zentralen politischen Rahmen dieser Annäherung bildete: Marokko verfügt seit 2006 über ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten und gehört seit Jahrzehnten zu deren engsten Sicherheitspartnern in Nordafrika. Neu ist deshalb weniger die Existenz einzelner Kooperationen als ihre zunehmende Verbindung: Was bisher vor allem bilateral verlief – Marokko mit den USA, Marokko mit Israel –, tritt nun sichtbarer als Dreieck hervor.

Für Rabat eröffnet das einen größeren außenpolitischen Raum. Marokko liegt an der Schnittstelle zwischen Europa, Afrika, Atlantik und arabischer Welt und baut seine Beziehungen in alle diese Richtungen gleichzeitig aus. Die Vereinigten Staaten bringen politische und wirtschaftliche Reichweite ein, Israel technologische und sicherheitspolitische Kompetenzen. Marokko wiederum verfügt über eine strategische Lage, enge Beziehungen zu Europa und Afrika sowie über wachsende industrielle und logistische Kapazitäten. Diese Interessen ergänzen sich zunehmend.

Die Saharafrage bleibt dabei ein fester Bestandteil des politischen Fundaments. Die Vereinigten Staaten und Israel bekräftigten im September erneut ihre Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara und ihre Unterstützung des Autonomieplans. Eine Entscheidung, die 2020 noch als außergewöhnlicher Schritt erschien, ist damit sechs Jahre später fest in die trilateralen Beziehungen eingebettet.

Gerade deshalb ist zugleich wichtig, was diese Partnerschaft nicht bedeutet. Marokko übernimmt nicht automatisch die politischen Positionen Israels. Rabat hält an seiner Unterstützung für einen palästinensischen Staat und an der Zweistaatenlösung fest. König Mohammed VI. steht dem Al-Quds-Komitee der Organisation für Islamische Zusammenarbeit vor, und die Palästinafrage bleibt ein eigener Bestandteil der marokkanischen Außenpolitik. Diese Fähigkeit, unterschiedliche Beziehungen nebeneinander aufrechtzuerhalten, statt sich politisch gleichzuschalten, gehört zu den auffälligsten Merkmalen der marokkanischen Außenpolitik.

Europa sieht ein verändertes Kräftefeld

Die Europäische Union begrüßte die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Marokko und Israel bereits 2020. Seither ist Marokko für Europa noch wichtiger geworden. Handel, Energie, Migration, Sicherheit, Industrie und die Verbindung nach Afrika machen das Königreich zu einem strategischen Partner, dessen außenpolitische Bedeutung längst über die unmittelbare Nachbarschaft hinausgeht.

Gleichzeitig haben sich die europäischen Positionen in der Saharafrage deutlich verschoben. Frankreich betrachtet die Zukunft der Westsahara inzwischen im Rahmen marokkanischer Souveränität. Spanien unterstützt den marokkanischen Autonomieplan seit 2022. Auch die Europäische Union hat ihre Haltung angenähert und betrachtet den Autonomieplan zunehmend als eine zentrale Grundlage für politische Verhandlungen, ohne die Position Washingtons vollständig zu übernehmen.

Bei Israel verläuft die europäische Entwicklung jedoch anders. Mehrere europäische Staaten haben ihre Kritik an der israelischen Politik im Gazastreifen und im Westjordanland verschärft. Europa bewegt sich damit in zwei Richtungen zugleich: politisch näher an Marokko, zugleich kritischer gegenüber Teilen der israelischen Regierungspolitik.

Genau darin liegt die internationale Bedeutung des Dreiecks aus Marokko, den Vereinigten Staaten und Israel: Für Washington macht es Marokko zu einem Partner zwischen Atlantik, Mittelmeer, Afrika und arabischer Welt. Für Israel eröffnet es einen politischen und wirtschaftlichen Zugang nach Nordafrika und darüber hinaus. Für Europa wird sichtbar, dass sich Marokkos internationale Position nicht mehr allein über das Verhältnis zur Europäischen Union bestimmen lässt – das Land bleibt eng mit Europa verbunden, vertieft zugleich seine Beziehungen zu Washington, baut Partnerschaften in Afrika aus und hält institutionalisierte Beziehungen zu Israel aufrecht, ohne dass eine dieser Verbindungen die andere ersetzt.

Das Treffen von New York bündelt damit eine Entwicklung, die seit 2020 Schritt für Schritt gewachsen ist: Aus einer politischen Vereinbarung ist eine Partnerschaft geworden, in der sich Diplomatie mit Wirtschaft, Technologie und Sicherheit verbindet – und Marokko an einer Schnittstelle steht, an der sich amerikanische, europäische, afrikanische und nahöstliche Interessen begegnen.

 

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