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Marokko stärkt maritime Präsenz in Spanien - Tanger Med im Fokus

2025 zeichnet sich im westlichen Mittelmeer eine neue maritime Machtbalance ab. Marokkanische Hafenakteure dringen verstärkt in spanische Logistikstrukturen vor, während Tanger Med sich als strategisches Drehkreuz zwischen Europa und Afrika etabliert. Investitionen, neue Fähr- und Ro-Ro-Verbindungen sowie politisch flankierte Kooperationen verändern die Spielregeln in einem traditionell spanisch dominierten Raum.

Tanger MedDas Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt in den maritimen Beziehungen zwischen Spanien und Marokko. Sichtbar wird dies vor allem an der wachsenden Präsenz marokkanischer Akteure in spanischen Häfen. Wie eine Analyse des Wirtschaftsportals Economía Digital festhält, hat „Marokko seine Präsenz durch Unternehmensinvestitionen, neue Transportdienste und spezialisierte Korridore deutlich ausgebaut“ und positioniert Tanger Med damit als zentrales Drehkreuz der Logistikströme im Mittelmeer- und Atlantikraum.

Der strategisch bedeutendste Schritt ist der Einstieg von Marsa Maroc, dem führenden nationalen Hafenbetreiber, in das Kapital von Boluda Maritime Terminals (BMT), der Terminalgesellschaft des valencianischen Reeders Vicente Boluda. Marsa Maroc übernimmt 45% der Anteile für 80 Mio. Euro, vorbehaltlich der noch ausstehenden regulatorischen Genehmigungen. Ziel dieser Allianz sei es, so die zitierte Quelle, „den Marokko-Spanien-Korridor strukturell zu ordnen und kommerzielle Synergien freizusetzen“.

Diese Beteiligung hat im spanischen Hafen- und Logistiksektor, wie das Fachportal berichtet, Alarmzeichen ausgelöst. Mehrere Marktteilnehmer werten sie als „vereinbarte Gegenleistung im Rahmen einer gemeinsamen maritimen Roadmap zwischen den Regierungen beider Länder“. In diesem Kontext entwickelt sich Tanger Med zunehmend zu einem Referenzpol, der in direkte Konkurrenz zu großen spanischen Häfen wie Algésiras, Valence oder Barcelona tritt - manche Beobachter sprechen von „einer echten maritimen Schachpartie“.

Operativ hat sich die Vernetzung spürbar verdichtet. In Huelva nahmen Suardiaz Group und Grupo Transonuba im März einen hochfrequenten Ro-Ro-Dienst zwischen dem andalusischen Hafen und Tanger Med auf, der insbesondere für den Transport gekühlter Waren ausgelegt ist. Baleària eröffnete im Mai die Schnellfährverbindung Tarifa-Tanger Stadt und treibt parallel den Bau von zwei vollständig elektrischen Fähren voran, deren Indienststellung für 2027 geplant ist. Ziel ist es, „den ersten grünen maritimen Korridor zwischen Spanien und Marokko“ zu schaffen.

Im Mittelmeerraum hat der Hafen von Barcelona seine Kooperation mit Tanger Med auf der Fachmesse Fruit Attraction 2025 vertieft und einen eigenen Korridor für agrar- und industriebezogene Güter - insbesondere Obst - eingerichtet, um die Anbindung zwischen Europa und Nordafrika zu verbessern. Valence gewann zusätzliche Sichtbarkeit durch einen neuen wöchentlichen Dienst der Reederei CMA CGM, der Sfax, Tanger Med und Valence verbindet und sowohl für Trocken- als auch für Kühlfracht ausgelegt ist. Cádiz nahm den Containerverkehr aus Casablanca wieder auf, während Castellón Handelsmissionen nach Marokko organisierte.

Dieser Aufschwung verlief jedoch nicht ohne Reibungen. Der Rückzug von Baleària aus der Verbindung Motril-Tanger Med zwang lokale Akteure zur Suche nach Alternativen. Zudem kam es zu Spannungen nach der Abberufung des ehemaligen Tanger-Med-Direktors Hassan Abkari, nachdem dieser in Valence eine Beratungsfirma gegründet hatte. Marokkanische Medien führten den Vorgang auf „spanische Versuche zurück, den Erfolg von Tanger Med zu schwächen“. Inzwischen hat Abkari seine Gesellschaft wieder aufgelöst.