Marokkanische Sahara: Drei Signale aus Berlin, Washington und Ottawa
Innerhalb weniger Tage haben Deutschland, die USA und Kanada ihre Position zur marokkanischen Sahara erneut bekräftigt. Dabei zeigt sich eine klare diplomatische Entwicklung: Immer mehr westliche Staaten sehen den marokkanischen Autonomieplan als realistische Grundlage für eine politische Lösung. Hinter diesen Erklärungen steht eine breitere geopolitische Dynamik, die weit über symbolische Unterstützung hinausgeht.

Internationale Unterstützung für den Autonomieplan2007: Marokko legt bei den Vereinten Nationen seinen Vorschlag für eine weitreichende Autonomie der südlichen Provinzen unter marokkanischer Souveränität vor. Der Plan wird von mehreren Staaten als ernsthafte Grundlage für Verhandlungen bewertet. 2017-2019: Zahlreiche afrikanische und arabische Staaten eröffnen Konsulate in Laayoune und Dakhla, was als Zeichen wachsender diplomatischer Präsenz und wirtschaftlicher Kooperation in den südlichen Provinzen gilt. Dezember 2020: Die Vereinigten Staaten erkennen offiziell die marokkanische Souveränität über die Sahara an und bekräftigen ihre Unterstützung für den Autonomieplan als Grundlage einer politischen Lösung. März 2022: Spanien erklärt den Autonomieplan als die „seriöseste, realistischste und glaubwürdigste Grundlage“ für eine Lösung des Konflikts. 2023-2024: Mehrere europäische Staaten - darunter Frankreich, die Niederlande und andere Partner - bekräftigen ihre Unterstützung für den marokkanischen Autonomieplan als ernsthafte Grundlage für Verhandlungen. 31. Oktober 2025: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet Resolution 2797, die den politischen Prozess zur Lösung des Konflikts erneut unterstützt. April 2026: Deutschland bestätigt im Rahmen des strategischen Dialogs mit Marokko die zentrale Rolle des Autonomieplans unter marokkanischer Souveränität und kündigt an, seine diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen entsprechend auszurichten. 29. April 2026: Die USA erneuern ihre Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Sahara und bekräftigen ihre Unterstützung für den Autonomieplan. 2026: Kanada erkennt den marokkanischen Autonomieplan als Grundlage für eine politisch akzeptable Lösung des regionalen Konflikts an und kündigt eine Intensivierung des politischen Dialogs mit Marokko an. |
Die Vereinigten Staaten bekräftigten ihre bereits zuvor erklärte Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Sahara. Der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau erklärte nach Gesprächen mit dem marokkanischen Außenminister Nasser Bourita in Rabat: „Die Vereinigten Staaten erkennen die Souveränität Marokkos über die Sahara an.“
Washington betonte zugleich seine Unterstützung für den marokkanischen Autonomieplan, den die USA weiterhin als „einzige Grundlage für eine gerechte und dauerhafte Lösung“ betrachten. Darüber hinaus unterstrich die amerikanische Seite ihre Bereitschaft, Investitionen von US-Unternehmen in den südlichen Provinzen Marokkos zu unterstützen.
Auch Deutschland erneuerte seine Position. In einer gemeinsamen Erklärung nach der zweiten Sitzung des multidimensionalen strategischen Dialogs zwischen Marokko und Deutschland erklärte Berlin, der Autonomieplan unter marokkanischer Souveränität sei der „realistischste Ansatz zur Lösung des Konflikts“. Deutschland bestätigte zugleich, dass es den marokkanischen Vorschlag weiterhin als „seriöse und glaubwürdige Grundlage für Verhandlungen“ betrachtet und seine diplomatischen und wirtschaftlichen Aktivitäten entsprechend ausrichten will.
Auch Kanada hat seine Position weiterentwickelt. In einer Erklärung des Außenministeriums in Ottawa wird der marokkanische Autonomieplan als „seriöse und glaubwürdige Initiative“ bezeichnet und als Grundlage für eine politisch akzeptable Lösung des regionalen Konflikts anerkannt. Die Erklärung erfolgte nach einem Gespräch zwischen der kanadischen Außenministerin Anita Anand und ihrem marokkanischen Amtskollegen Nasser Bourita. Eine offizielle Kanada-Reise nach Marokko ist angekündigt, um den politischen Dialog weiter zu vertiefen.
Die erneuten Stellungnahmen spiegeln eine Entwicklung wider, die sich seit einigen Jahren abzeichnet. Der marokkanische Autonomieplan, der 2007 bei den Vereinten Nationen vorgestellt wurde, sieht vor, dass die südlichen Provinzen Marokkos eine weitreichende Selbstverwaltung innerhalb der marokkanischen Souveränität erhalten. Außenpolitik, Verteidigung und nationale Institutionen bleiben dabei in der Zuständigkeit des marokkanischen Staates, während regionale Institutionen über eigene Kompetenzen verfügen.
In den vergangenen Jahren hat dieser Ansatz zunehmend internationale Unterstützung gewonnen. Mehrere Staaten betrachten ihn heute als pragmatische Grundlage für eine politische Lösung. Parallel dazu haben zahlreiche Länder diplomatische Vertretungen in den Städten Laayoune und Dakhla eröffnet, was von Rabat als Ausdruck wachsender internationaler Anerkennung der Entwicklung der südlichen Provinzen verstanden wird.
Hinzu kommt eine zweite Entwicklung: Viele Staaten beobachten die wirtschaftliche und infrastrukturelle Transformation der südlichen Provinzen Marokkos - etwa in den Bereichen Energie, Logistik, Fischerei oder erneuerbare Energien - und betrachten die Region zunehmend auch aus einer wirtschaftlichen Perspektive.
Die Rolle der UNO-Resolution 2797
Ein wichtiger Bezugspunkt in allen drei Stellungnahmen ist die Resolution 2797 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 31. Oktober 2025.
Diese Resolution bekräftigt den Ansatz einer politischen Lösung durch Verhandlungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen. Mehrere Staaten sehen in diesem Rahmen den marokkanischen Autonomieplan als realistische Grundlage, um eine dauerhafte und politisch tragfähige Lösung des regionalen Konflikts zu erreichen.