Die jüdisch-marokkanische Gemeinde und die nationale Identität

Der Minister für auswärtige Angelegenheiten, der afrikanischen Zusammenarbeit und der im Ausland lebenden Marokkaner, Nasser Bourita, gab am 5. Mai dem offiziellen Rundfunksender des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) ein Interview, in dem er klarstellte, dass marokkanische Juden ein starkes Identitätsgefühl und persönliche Beziehungen mit ihrem Herkunftsland verbinden.

 

Die jüdisch-marokkanische Gemeinde und die Grundlagen der nationalen Identität Marokkos, Foto: Nasser Bouriat von barlamane.com

Die jüdisch-marokkanische Gemeinde bildet eine der Grundlagen der nationalen Identität Marokkos

Nasser Bourita erinnerte an die starken Verbindungen der marokkanisch-jüdischen Diaspora mit ihrem Herkunftsland. "Neben den institutionellen Verbindungen wird die marokkanisch-jüdische Diaspora durch informelle Verbindungen aufrechterhalten und trägt somit zur Erhaltung des marokkanischen Judentums in Marokko bei", so der Leiter der marokkanischen Diplomatie.

"Die jüdische Bevölkerung lebt schon seit Jahrhunderten in Marokko. Sie sind ein Teil der marokkanischen Bevölkerung und haben die marokkanische Identität genährt und bereichert (...) Unsere Verfassung ist vielleicht die einzige in der arabischen und muslimischen Welt, die das Judentum als einen wichtigen Teil ihrer Identität erwähnt", meinte der marokkanische Nasser Bourita.

"Die Beziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden und den jeweiligen marokkanischen Königen reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Als zu dieser Zeit die jüdische Gemeinde aus Andalusien vertrieben wurde, hat Marokko sie herzlich aufgenommen. Der verstorbene König Mohammed V. lehnte sogar die Gesetze des Vichy-Regimes über den Status der Juden ab und weigerte sich strikt dagegen, die marokkanische jüdische Gemeinde an das Nazi-Regime auszuliefern", erinnerte er in seiner Rede.

Das jüdisch-marokkanische Kulturerbe

"Und gerade heutzutage unternimmt S.M. der König Mohammed VI. sehr große Anstrengungen, dieses kostbare Erbe weiter zu bewahren. Er hat u.a. die Restaurierung von rund 170 Friedhöfen und heiligen Stätten in Marokko angeordnet. Fast 20 Synagogen sind mittlerweile ebenfalls wieder errichtet worden (...) Auch unsere Schullehrpläne nehmen Bezug auf die bedeutende jüdische Komponente der marokkanischen Geschichte. Dieses ist einzigartig in der arabischen und muslimischen Welt (...) Wir haben in Marokko zudem auch Synagogen mit eigenständiger hebräischer Gerichtsbarkeit, deren Richter Staatsbeamte Marokkos sind. Deshalb sind diese jüdischen Einrichtungen auf marokkanischem Boden etwas ganz Besonderes. Sie sind einzigartig in der arabischen Welt und wurden immer schon durch die Verpflichtungen der Könige von Marokko und mit dem Willen des marokkanischen Volkes geschützt", fügte er hinzu.

Gute Kontakte nach Israel

"Wir haben schon seit vielen Jahren Kontakte nach Israel. Im Jahr 1994 eröffneten die beiden Staaten jeweils ein Verbindungsbüro. Die formellen diplomatischen Beziehungen waren zwar zeitweise für einige Jahre unterbrochen, aber die Kontakte mit Israel wurden nie ausgesetzt", erklärte der Minister.

"Nach der im letzten Dezember unterzeichneten Vereinbarung haben wir konkrete Schritte unternommen (...) Wir haben wechselseitig Verbindungsbüros in Rabat und Tel Aviv eröffnet (...) Dazu bildeten wir auch noch acht Arbeitsgruppen. Damit stehen uns heute alle die Werkzeuge zur Verfügung, die notwendig sind, um unsere Zusammenarbeit noch weiter zu vertiefen. Wir haben auch den politischen Willen dazu. Ich hoffe nun, dass sehr bald gegenseitige Besuche auf höchster Ebene stattfinden werden (...) Und da es eine Entscheidung aus Überzeugung ist, werden wir bei der Entwicklung der bilateralen Zusammenarbeit so weit wie nur möglich gehen, zum Nutzen beider Völker und Regionen", führte Nasser Bourita aus.

Geostrategischer Verbündeter in der Region 

Bezüglich der Beziehungen zwischen Marokko und den USA merkte der Minister an, dass das Königreich das einzige afrikanische Land ist, das bisher ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnet hat. Marokko wird zudem von den USA in der nordafrikanischen Region als ein geostrategischer Verbündeter angesehen.

"Wir haben auch unsere militärische Zusammenarbeit durch die Koordination einer Kommission verstärkt. Darüber hinaus sind wir seit 2012 ein wichtiger militärischer Verbündeter der Vereinigten Staaten außerhalb der Nato und führen einen gemeinsamen Krieg gegen den internationalen Terrorismus. Unsere Beziehung ist also tief in der Geschichte verwurzelt. Wir haben jetzt die Möglichkeiten geschaffen, um auch beim Klimawandel, der Entwicklung Afrikas und der Förderung des Friedens im Nahen Osten zusammenarbeiten zu können", bemerkte er stolz.

Die territoriale Integrität und Sicherheit Marokkos ist bedroht

Der Außenminister wies darauf hin, dass der Iran die territoriale Integrität und Sicherheit Marokkos bedroht. "Wir müssen als Verbündete zusammenarbeiten, um den Bedrohungen durch den Iran erfolgreich begegnen zu können (...). Vielleicht können wir so gemeinsam mehr über die nuklearen Aktivitäten des Irans in Erfahrung bringen. Der Iran agiert auch über Stellvertreter, um Nordafrika und Westafrika zu destabilisieren", betonte er.

"Marokkos territoriale Integrität und Sicherheit wird dadurch laufend bedroht, indem der Iran die Polisario darin unterstützt, Waffen an sie zu liefern und deren Milizen auszubilden, um so Marokko zu einem leichteren Angriffsziel zu machen", warnte der marokkanische Diplomat.

"Wir sind aber immer wachsam gegenüber allen Bedrohungen, die dieses Land für uns und unsere Sicherheit darstellt. Wie Sie wissen, ist die Sahara-Frage für Marokko essenziell. Unsere territoriale Integrität ist der Schlüssel zur Stabilität unseres Landes. Alle diejenigen, die versuchen Marokko zu destabilisieren, benutzen die Sahara-Frage als eine Art Werkzeug. Und genau das machen der Iran, die Hisbollah und insbesondere die Polisario", fügte er hinzu.


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