Deutschlands Charmeoffensive

Die neue deutsche Dreiparteienregierung will die Krise mit Marokko beenden. Sie "ist entschlossen, die Versöhnung mit Marokko zu beschleunigen und eine Episode zu beenden, die seit mehr als zehn Monaten andauert", schreibt El País.

 

Deutschlands Charmeoffensive, Foto: Stefan Widua unsplash.comDie diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern "scheint angesichts der zunächst subtilen, nun aber deutlicheren Schritte, die die von Olaf Scholz geführte Regierung unternommen hat, und der Gegenreaktion Marokkos ihrem Ende nahe zu sein".

Rabat begrüßte die "positiven" und "konstruktiven" Erklärungen, die kürzlich von der neuen deutschen Bundesregierung abgegeben wurden. "Diese Ankündigungen lassen eine Wiederbelebung der bilateralen Zusammenarbeit und die Rückkehr zur Normalität der Arbeit der diplomatischen Vertretungen beider Länder in Rabat und Berlin erwarten", erklärt die marokkanische Diplomatie. Rabat hatte am 1. März alle Kontakte mit der deutschen Botschaft in Marokko wegen "tiefgreifender Missverständnisse" mit Berlin ausgesetzt. Am 6. Mai wurde die marokkanische Botschafterin zu Konsultationen abberufen, da Berlin unter anderem "feindselige Handlungen" vorgeworfen wurden.

Bereits zum Neujahrsfest 2022 sandte Deutschland noch ein weiteres Signal an Rabat. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb an König Mohammed VI. und lud ihn zu einem Besuch in Berlin ein. Steinmeir versicherte, dass der marokkanische Vorschlag für eine Autonomie der Westsahara eine gute Grundlage für die Lösung des Konflikts sei. Der Text lobte die weitreichenden Reformen des Monarchen und die Rolle Marokkos bei der Lösung des Konflikts in Libyen. [...] "Sowohl Deutschland als auch Marokko haben großes Interesse daran, die weitreichenden und sehr guten diplomatischen Beziehungen, die bis vor kurzem bestanden, fortzusetzen", sagte der Bundespräsident.

Diplomatische Quellen bestätigen, dass die neue Exekutive, die im September aus den Wahlen hervorgegangen ist, vorgeschlagen hat, so schnell wie möglich Brücken zu Rabat zu bauen, und dass sie hoffte dass die aufeinanderfolgenden Gesten gegenüber Marokko in der Rückkehr des Botschafters und der Ankunft des neuen deutschen Vertreters in der marokkanischen Hauptstadt münden werden. "Das ist das endgültige Signal, auf das Berlin wartet, um davon auszugehen, dass sich die Beziehungen endlich normalisiert haben", wurde festgestellt.

Die spanische Regierung "ging nicht so weit wie die deutsche, die den marokkanischen Vorschlag zur Autonomie der Sahara als ernsthafte und glaubwürdige Bemühungen und als gute Grundlage für eine Einigung bezeichnet". Der spanische Außenminister José Manuel Albares zeigte sich jedoch am Dienstag offen für die Autonomie als Option, als er sagte, dass Spanien "die Suche nach einer Lösung für einen Konflikt, der schon viel zu lange andauert", befürworte. Mit anderen Worten: "Spanien verlangt kein Selbstbestimmungsreferendum und ist bereit, die Autonomie zu akzeptieren, wenn die Parteien sich darauf einigen und die Vereinten Nationen sie genehmigen", merkte El País an.

 


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