Baerbock gelang mit Leichtigkeit das, woran ihr Vorgänger scheiterte

Die Ampelkoalition erlebt ihren ersten außenpolitischen Erfolg: die Entschärfung der Krise mit Marokko, einem Schlüsselland für Deutschland - vor allem in der Energie- und Migrationspolitik.

 

Andreas Wenzel, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Marokko, ist erleichtert. Er sagt, dass "die Eiszeit zwischen der Bundesrepublik und dem Königreich Marokko endlich zu Ende zu sein scheint"; und betont: "Jetzt sind die Zukunftsaussichten wieder positiv; schließlich haben sich beide Länder gegenseitig viel zu bieten".

Neben Agrarprodukten exportiert Marokko zunehmend Industrieprodukte nach Deutschland. Die deutsche Wirtschaft wiederum ist ein wichtiger Investor im Königreich. Vor allem in den Bereichen Energiewende und Klimawandel, wo es große Synergien gibt, sagt Wenzel in einem Interview mit der WELT, einer der größten deutschen Tageszeitungen.

"Marokko ist ein Schlüsselpartner für die Entwicklung von grünem Wasserstoff". Das größte Solarkraftwerk der Welt befindet sich im Süden des Landes und die deutschen Gelder werden dazu verwendet, es um eine Wasserstoffproduktionsanlage zu erweitern.

Die "Eiszeit" hatte im Mai begonnen, als Marokko seine diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abbrach. In einer Erklärung argumentierte Rabat mit "der Zunahme feindseliger Aktionen, die den Interessen des Königreichs diametral entgegenstehen." Die damalige deutsche Regierung war ratlos und unternahm keine ernsthaften Schritte, um den Konflikt zu lösen, betont Alfred Hackensberger, Autor des WELT-Artikels. Dabei ist Marokko nicht nur ein zunehmend wichtiger Handelspartner für Deutschland. Es sichert die EU-Außengrenze gegen Migranten aus Afrika und ist auch ein zuverlässiger Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus, so die Zeitung. Die neue deutsche Regierung hat bewiesen, wie einfach es ist, die Krise mit dem Maghreb-Staat zu bewältigen. Nur vier Tage nach ihrem Amtsantritt gelang es ihr, die deutsch-marokkanischen Beziehungen wiederzubeleben und sie mit einer knappen und überraschend pragmatischen Erklärung in eine neue, positive Richtung zu lenken.

"Das Königreich Marokko ist ein Schlüsselpartner der EU und Deutschlands in Nordafrika", der "Stabilität und nachhaltige Entwicklung in der Region" gewährleistet, schrieb das deutsche Außenministerium in einer Nachricht auf seiner Länderportalseite Marokko. Es erkannte auch zum ersten Mal Marokkos Autonomieplan für die Sahara als "wichtigen Beitrag zur Einigung" im Konflikt um die Wüstenregion an, ohne die führende Rolle der Vereinten Nationen in Frage zu stellen.

Der Status der Sahara ist seit mehr als vier Jahrzehnten umstritten. Marokko betrachtet das 266.000 Quadratkilometer große Gebiet, das es 1975 nach der spanischen Kolonialherrschaft einverleibte, als integralen Bestandteil seines Staatsgebiets. Die Polisario-Bewegung hingegen fordert einen eigenen Staat und wird von Algerien unterstützt, berichtet die WELT.

Bisher sind alle Versuche der UNO, zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln, gescheitert. Die ehemalige deutsche Regierung hatte Marokko die volle Verantwortung für das Scheitern der Verhandlungen zugeschoben - erst kürzlich auf einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats im Dezember 2020.

Die jüngste Online-Veröffentlichung des deutschen Außenministeriums sorgte für Schlagzeilen in den marokkanischen Medien. Die Regierung in Rabat begrüßte die neue konstruktive Position Berlins und erklärte, dass sie "eine Wiederbelebung der bilateralen Zusammenarbeit und eine Normalisierung der diplomatischen Missionen ermöglichen würde." Was die alte deutsche Regierung in sieben langen Monaten nicht geschafft hatte, gelang dem Außenministerium unter der neuen Führung von Annalena Baerbock mit einem Fingerschnippen.

 


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