Anerkennung der Souveränität Marokkos über die Sahara

Die Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Sahara ist ein "befriedendes" Element, das einen Fortschritt über den Status quo hinaus ermöglicht, die einen destabilisierenden Konflikt für die Europa-Mittelmeer-Region verhindert, sagt Emmanuel Dupuy, Präsident des Instituts für prospektive Entwicklung und Sicherheit in Europa (IPSE), einer auf geopolitische und geostrategische Fragen spezialisierten Denkfabrik mit Sitz in Paris.

 

Anerkennung der Souveränität Marokkos über die Sahara, Foto: Tomas-Malik-unsplash

"Die Anerkennung der Souveränität Marokkos über die Sahara ist im wahrsten Sinne des Wortes friedensstiftend. Sie erlaubt es, über den Status quo und über die Position hinauszugehen, die die internationale Gemeinschaft, einschließlich Frankreichs, mit dem Waffenstillstandsabkommen von 1991 und der von Marokko 2007 vorgeschlagenen Autonomielösung anerkennt", sagte der Geopolitologe in einem Interview mit der MAP im Vorfeld einer virtuellen Konferenz zum Thema "Polisarios Bedrohung der Europa-Mittelmeer-Region: eine unbestreitbare Verantwortung Algeriens", die gemeinsam von dem IPSE und dem Mandela-Institut organisiert wurde.

Gegenwärtig gebe es "eine neue mächtige Dynamik" rund um die Sahara-Frage, sagte der Vorsitzende der IPSE, der gleichzeitig auch Generaldeligierter von der französischen Partei „Les Centristes“ ist, und glaubt, dass sich auch Frankreich und die Europäische Union dieser Dynamik anschließen müssen. Bisher sind bereits mehr als zwanzig Länder daran beteiligt.

"Nicht weniger als 25 diplomatische Vertretungen (Konsulate oder Büros von wirtschaftlichem Interesse) haben sich bereits in der Sahara positioniert. Diese vertreten Länder, die offensichtlich verstehen, dass die Dynamik in Nord-Süd und Süd-Süd und auch die euro-afrikanische Transversalität durch diesen Korridor verläuft, entlang der Eisenbahnlinie, wo die transafrikanische Pipeline gebaut werden wird, die von Lagos nach Tanger führt, und die de facto das Öl auf eine sicherere, regelmäßigere und weniger gestörte Weise transportieren wird", führte er aus.

Eine Befriedung der Region sei "offensichtlich im Interesse aller", so der Geopolitiker. Die Entwicklung der westafrikanischen Subregion und ihre Einheit mit der Etablierung einer gemeinsamen Währung seien so viele "Säulen“, die zusammen gehören, um einen echten Handelsraum zu schaffen, der seit Anfang des Jahres zudem durch die effektive Einrichtung der afrikanischen kontinentalen Freihandelszone beschleunigt wird.

Darüber hinaus ist das große Interesse dieses Gebietes auf der wirtschaftlichen Ebene zu unterstreichen: "Diese Region Westafrikas, die 16. Wirtschaftsmacht, bildet die stabilste und konsequenteste Wirtschaftsregion und stellt somit eine Macht dar, die es ermöglicht, die internationalen Beziehungen mit einzubeziehen", fuhr er fort.

Um noch pragmatischer zu sein, ist der Geopolitologe der Ansicht, dass der erste Schritt für Frankreich und Europa darin besteht, der diplomatischen Dynamik der südlichen Provinzen zu folgen, sei es in Dakhla oder in Laayoune, und sie zu begleiten, so wie es die Amerikaner durch den Aufbau von Wirtschaftsstrukturen verstanden und umgesetzt haben.

Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Unterzeichnung von zwei Wirtschaftsabkommen zwischen Marokko und den USA, die durch einer von den Vereinigten Staaten gegründeten Internationalen Entwicklungsstruktur und finanziellen Kooperation untermauert wurden, mit dem Ziel, für das von den Amerikanern weit verbreitete Projekt den Boden für Marokko zu bereiten, darunter Prosper Africa, das ein wirkliches Tor zu den wirtschaftlichen Interessen in Westafrika darstellt.

Nach Ansicht des Geopolitikers "gehen der Stillstand des Konflikts (der Sahara) und die internationale Ermüdung Hand in Hand mit der Notwendigkeit, voranzukommen und innovative Lösungen zu finden", und er bekräftigt, dass "Marokko unter diesem Gesichtspunkt mit der nationalen Strategie für menschliche Entwicklung (INDH), die das Humankapital als integrativen Faktor aller marokkanischen Bevölkerungen ansieht, und dem durch die Verfassung vom Juli 2011 ermöglichten Prozess der fortgeschrittenen Regionalisierung, besonders gut ausgestattet ist".

In Bezug auf die Position Algeriens im Sahara-Konflikt und der jüngsten Provokationen gegenüber Marokko ist Emmanuel Dupuy der Meinung, dass es angesichts der angespannten Lage des algerischen Regimes  einer Strategie bedarf, um Auseinandersetzungen durch  Probleme im Inneren Algeriens zu vermeiden, während dort der Hirak (die politische und soziale Protestbewegung) wieder mit neuem Elan auflebt.

Gegenwärtig, so analysiert der Geopolitologe, "gibt es eine temporäre Besonderheit in Algerien: Die algerische Macht schwankte nach dem Sturz von Präsident Bouteflika und schwankt weiter  mit der Etablierung der Hirak-Bewegung, die im vergangenen Februar mit gleichbleibenden Forderungen der Algerier in ihr zweites Jahr ging, nämlich mit dem Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft.“ Darüber hinaus gibt die aktuelle Situation Anlass zur Sorge einer politisch-militärischen Agenda.


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