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Afrikanische Sicherheit: Marokko erhält Schlüsselrolle im CPS

Marokko wurde für die Amtszeit 2026-2028 in den Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union gewählt. Der Sitz verleiht dem Königreich direkten Einfluss auf Afrikas Sicherheits- und Krisenpolitik - mit Relevanz auch für Europa, etwa bei Konfliktprävention, Migration und grenzüberschreitender Stabilität.

 

AU Plenarsaal. Foto mit Hilfe von ChatGPT erstelltDer Friedens- und Sicherheitsrat ist das zentrale Gremium der Afrikanischen Union für Konfliktprävention, Krisenmanagement und Friedenssicherung. Eine Mitgliedschaft ermöglicht direkten Einfluss auf strategische Entscheidungen zu regionaler Stabilität, Vermittlungsinitiativen und sicherheitspolitischer Koordination. Für Marokko bedeutet der Sitz nicht nur symbolische Präsenz, sondern eine aktive Rolle bei der Gestaltung afrikanischer Sicherheitsarchitekturen.

Aus europäischer Perspektive ist diese Wahl insofern relevant, als der CPS zunehmend in Themen involviert ist, die auch Europa unmittelbar betreffen: regionale Konflikte, Terrorismus, grenzüberschreitende Sicherheitsrisiken, Migration und staatliche Fragilität. Marokkos Beteiligung stärkt damit einen Akteur, der seit Jahren auf Kooperation, Prävention und multilateralen Dialog setzt.

Die Wahl wurde in einem regionalpolitisch sensiblen Kontext möglich. Der Rückzug des Polisario von der Kandidatur für den nordafrikanischen Sitz eröffnete den Weg für eine konsensfähige Lösung innerhalb der Region. Marokko hatte zuvor die libysche Kandidatur unterstützt und konnte sich schließlich als tragfähiger Vertreter Nordafrikas durchsetzen - ein Ergebnis, das von vielen afrikanischen Staaten als Ausdruck diplomatischer Ausgleichsfähigkeit gewertet wurde.

Am Rande der Abstimmung in Addis Abeba führte Außenminister Nasser Bourita Gespräche mit mehreren Amtskollegen, unter anderem aus Äthiopien und den Komoren. Im Mittelpunkt standen die Stärkung afrikanischer Eigenverantwortung, eine engere sicherheitspolitische Abstimmung sowie die Notwendigkeit proaktiver Diplomatie angesichts wachsender regionaler Spannungen.

Die Jahre 2026-2028 gelten als entscheidende Phase für den Kontinent. Der CPS wird sich mit anhaltenden Krisen, neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen und institutionellen Reformfragen befassen müssen. Marokko bringt dabei seine Erfahrungen in Mediation, Entwicklungskooperation und Sicherheitszusammenarbeit ein - Bereiche, in denen das Königreich auch für europäische Partner ein wichtiger Ansprechpartner ist.

Insgesamt bestätigt die Wahl Marokkos in den Friedens- und Sicherheitsrat die langfristige Ausrichtung seiner Afrikapolitik. Sie unterstreicht den Anspruch, Stabilität nicht nur national, sondern regional mitzugestalten. Für Europa bedeutet dies einen zusätzlichen, berechenbaren Akteur innerhalb afrikanischer Sicherheitsstrukturen - in einer Zeit, in der Kooperation zwischen Afrika und Europa sicherheitspolitisch an Bedeutung gewinnt.