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Nabil Dadsi - Zwischen Erinnerung und Farbe

Manche Künstler finden ihren Weg zur Malerei über Akademien. Nabil Dadsi fand ihn als Kind - mit einem Stift in der Hand und einer unstillbaren Neugier auf die Welt. Seit seinem fünften Lebensjahr begleitet ihn das Zeichnen, zunächst als Spiel, später als Leidenschaft und schließlich als Ausdruck einer inneren Haltung zum Leben.

Nabil Dadsi

Nabil DadsiSeine Familie trägt die Erinnerung an Aufbruch und Rückkehr in sich. Nach eigenen Angaben 1962 in Palästina geboren, kehrte Nabil Dadsis Familie nach den Ereignissen des Jahres 1967 in die Heimat ihrer Vorfahren zurück, deren Wurzeln im Dades-Tal im Südosten Marokkos liegen, und ließ sich in Ouarzazate nieder. Diese Erfahrung von Aufbruch und Rückkehr hat seinen Blick auf Landschaften, Menschen und Traditionen nachhaltig geprägt.

Beruflich schlug er zunächst einen anderen Weg ein. Nach einer technischen Ausbildung in Marrakesch arbeitete er über Jahrzehnte als Techniker beim Office Chérifien des Phosphates und später in einem Partnerunternehmen. Hinter dem Techniker verbarg sich stets der Künstler: Die Malerei war nie ein Hobby neben dem Beruf, sondern der beständige Begleiter seines Lebens, der stille Ort, an dem Erinnerungen, Eindrücke und Emotionen Farbe annahmen.

Nabil Dadsi bezeichnet sich als Autodidakt. Sein eigentlicher Lehrmeister war die unermüdliche Beobachtung: die Werke großer Maler, zahllose Fachbücher und vor allem die tägliche Praxis formten seinen Stil. Kunst bleibt für ihn ein lebenslanger Lernprozess - und aus diesem Prozess erwächst ein Werk, das vom Marokko der Erinnerungen und der Gegenwart erzählt. Zwei Reiter durchqueren einen Fluss vor einer Kasbah aus gestampftem Lehm, Palmen zeichnen sich gegen den Himmel ab. Eine abendliche Souk-Gasse in Marrakesch leuchtet golden, während ein Kamel vorbeigeführt wird und ein Minarett in der Ferne verschwimmt. Ein Reiter blickt vom Hügel auf die Stadt hinab, sein geschecktes Pferd in vollem Fantasia-Zaumzeug. Immer wieder kehrt sein Blick zum Pferd zurück, insbesondere zum edlen Berberpferd. Mal erscheint es in ruhigen Innenhöfen, wo es an einem Brunnen trinkt oder gesattelt im Schatten wartet, dann wieder im Moment höchster Bewegung - ein Reiter im weißen Burnus, das Gewehr zum Himmel gestreckt, ein anderer in leuchtendem Gelb, die Flinte im Anschlag, während sein Pferd unter ihm förmlich vibriert. In der Eleganz, Kraft und Würde dieser Tiere findet der Künstler eine Schönheit, die weit über das Motiv hinausweist. Auch die Menschen des Südens finden ihren Platz in seinem Werk: Amazigh-Frauen in kunstvollem Silberschmuck und geflochtenen Zöpfen, die Wange an die Mähne ihres Pferdes gelehnt, den Blick nach innen gerichtet. Seine Fantasia-Darstellungen gehören heute zu den bekanntesten Themen seines Schaffens und verbinden Bewegung mit kulturellem Erbe.

Nabil Dadsi

Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen in El Jadida, Agadir und anderen marokkanischen Städten präsentiert und mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem ersten Preis des nationalen Wettbewerbs des Kulturministeriums für Illustrationen von Kindergeschichten sowie dem ersten Preis eines landesweiten Karikaturenwettbewerbs von Amnesty Maroc.

Für Nabil Dadsi endet Kunst nicht an der Staffelei. Über viele Jahre gab er Kindern Zeichenunterricht und engagiert sich bis heute im Kunst- und Kulturverein Alwane in El Jadida, der sich insbesondere für benachteiligte und beeinträchtigte Kinder einsetzt. Malerei besitzt für ihn eine gesellschaftliche Verantwortung: Sie sensibilisiert, öffnet Horizonte, schärft den Blick für Schönheit und gibt jungen Menschen Orientierung - gerade in einer Welt, die von Konflikten, Umweltproblemen und wachsender Unruhe geprägt ist.

Das ist das Wesen seiner Kunst: Sie hält nicht nur das Sichtbare fest, sondern bewahrt Erinnerungen, erzählt Identität und lässt den Betrachter für einen Moment innehalten. Zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Bewegung und Stille entsteht eine Malerei, die den Menschen hinter ihren Motiven niemals aus dem Blick verliert.