QarqabaEs wird erzählt, und nur Allah alleine kennt die Wahrheit, dass als ein verarmter Mann keine Möglichkeit mehr sah, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, beschloss, an einem warmen, sonnigen Tag seine Heimatstadt zu verlassen.

Er machte sich auf den Weg, ging durch das Straßenlabyrinth seiner geliebten Heimatstadt, erreichte das monumentale Stadttor, blieb eine Weile stehen, begutachtete noch einmal die Mosaiken, die das Tor schmückten, um sich dann in Richtung des Plateaus hinter den Gräbern der Stadt zu begeben.

Er lief und lief, bis die Müdigkeit ihn übermannte. Er setzte sich hin, aß und trank von seiner armseligen Wegzehrung und wollte sich gerade hinlegen, als er Gesang und Musik aus einer der vielen Höhlen in unmittelbarer Nähe hörte. Es muss sich um eine größere Gruppe Musizierender mit Al Qarqaba (eine Art Kastagnetten) und Trommeln handeln, dachte er bei sich.

Neugier und der bewegende Rhythmus (bewegend im Sinne des Wortes!) trieben ihn an, den Ort des Gesangs zu suchen. Er brauchte die Quelle der wohlklingenden Laute nicht lange zu suchen. Er betrat die Höhle, sah dort vier  fröhlich singende und tanzende Männer mit einem rotierenden Wollfaden über ihren Mützen, die die Köpfe in einem gleichmäßigen Rhythmus bewegten.

Als sie ihn wahrnahmen, hörten sie mit ihrem Gesang auf, begrüßten ihn herzlichst und baten ihn, mit ihnen das Mahl zu teilen. Lange unterhielten sie sich und  tauschten sich über ihre jeweiligen Schicksale aus. Die Gruppe war bisher musizierend durch die Stadt gezogen und hatte so ihren bescheidenen Lebensunterhalt verdient. An das Leben in der Höhle außerhalb der Stadt hatten sie sich gewöhnt und empfanden es als eine Art Freiheit von allen Besitztümern dieser schnelllebigen Zeit. Die Gruppe bat ihm Essen und Unterkunft an, solange es ihm beliebte. Er nahm das Angebot dankend an und blieb viele Monate bei ihnen. Er lernte Al Qarqaba zu spielen und dazu zu singen.

Dann war es soweit. Obwohl sie ihn drängten, länger zu bleiben, bedankte er sich herzlich für ihre großzügige Gastfreundschaft und verabschiedete sich, um sich, wie er es sich vorgenommen hatte, als er seine Heimaltstadt verlassen hatte, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Auf der Suche nach Arbeit war er von Ort zu Ort unterwegs, musizierte mit Al Qarqaba und verdiente so genug, sogar mehr als er für sein Überleben benötigte.

Es kam die Zeit der Weinlese und er dachte bei sich, dass dies eine ehrenhafte Beschäftigung sei und genau das Richtige für ihn. Er brauchte nicht lange zu suchen, bis er zu einem Weingut kam, wo er nach Arbeit fragte. Man nahm ihn auf und versprach ihm guten Lohn, wenn er tüchtig bei der Weinlese mitarbeite. Bereits am nächsten Tag machte er sich an die Arbeit. Mit viel Elan fing er mit einer großen Schar Arbeiter an, die Reben zu pflücken, einen Korb nach dem anderen zu füllen und auf seinem Rücken zur Sammelstelle zu tragen.

Am Ende des Tages stellte er sich an das Ende der langen Schlange der Arbeiter, um seinen Lohn abzuholen. Als er an die Reihe kam, wurde er nach seinem Namen gefragt und der Besitzer des Weinguts gab ihm seinen Lohn. Er schaute auf die wenigen Münzen in seiner Hand und sah ihn fragend an: „Ist das der Lohn für über 10 Stunden harte Arbeit? Ist das der Preis für einen gewissenhaft arbeitenden Menschen?“ Der Besitzer des Weinguts betrachtete ihn missbilligend und sagte nur: „Wenn du nicht zufrieden bist, so gehe dahin, wo du hergekommen bist. Es gibt genug hungrige Wölfe im Wald, die nur auf undankbare Menschen wie dich warten!“

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, wandte er sich um und sagte mit lauter Stimme: „Lieber mit Al Qarqaba seinen Lohn verdienen als mit der Weinlese!“

 Idriss Aljay und 
Fouad Filali

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